Medienmanagement-Blog
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Die phantastische Realität des eigenen Films

Name: Ariane von Dewitz
Praktikumsstelle: Wien

Ariane von Dewitz traute sich zunächst nicht so recht, einen eigenen Film über den Gegenwartskünstler Heinz Stangl zu drehen. Dann aber flog sie nach Wien, kehrte mit sieben Stunden Drehmaterial nach Hamburg zurück, strukturierte hin und her und am Ende entstand ein interessanter Film. Fortsetzung folgt.

Einen journalistischen Film drehen – das war seit jeher mein steter, bisher jedoch nur still gehegter Wunsch. Die eigene Idee umsetzen, ein Konzept entwickeln und, so paradox es klingt, die Realität neu inszenieren – dieser Gedanke fasziniert mich sehr.
Bisher jedoch ließen mich typische Anfänger-Unsicherheiten zaudern: Bin ich schon routiniert genug im Umgang mit Kamera, Ton und Schnittprogramm, wenn es um ein so umfangreiches Projekt und dessen dramaturgische Gestaltung geht? Reicht mein Wissen über konzeptionelles Arbeiten aus – trotz meiner lehrreichen Konzeptphase bei der FTD? Kurz: Schaffe ich das alles überhaupt?
Sehr schnell besann ich mich jedoch auf eines der wichtigsten Dinge, das ich den letzten Jahren an der HMS gelernt hatte: Nicht lange zögern und mit sich hadern –  einfach machen.
So packte ich Kamera, Kassetten und Stativ in meine Koffer und flog nach Wien, um Heinz Stangl, einen von mir bewunderten Maler des „Phantastischen Realismus“ zu porträtieren. Er ist ein Gegenwartskünstler, dessen Kunst surrealistische Anteile aufweist. Unter dem Einfluss von Oskar Kokoschka und Ernst Fuchs hat er eine eigene Art des phantastischen Realismus entwickelt. Er stellt Alltagsräume mit Geschehen von Träumen und Glück, von einer gestörten Idylle, von Einsamkeit, Eros und mangelnder Bezogenheit zwischen den Protagonisten dar. Er malt mit schrill-bunten Farben – also gute Voraussetzungen für mich, um seine Bilder zu visualisieren.
Dies versuchte ich dann auch als erstes, zunächst mit wackeligen Schwenks, dann aber immer ruhiger und routinierter. Anschließend führte ich lange Interviews mit Stangl in seinem lichten Atelier, lief mit ihm durch Wien, filmte ihn vor imperialer Architektur und in engen, sinister anmutenden Gassen, ließ mir schließlich die Kunstakademie zeigen, an der er vor vielen Jahren studiert hatte. Mit insgesamt sieben Stunden Drehmaterial in der Tasche stieg ich zurück ins Flugzeug nach Hamburg – die Arbeit ging dort nun richtig los. Sichten, Shotlisten schreiben, eine Dramaturgie, ein Filmkonzept entwickeln, das es in der nächsten und letzten Prüfung meines HMS-Studiums vorzustellen galt. Ich brütete und schwitzte, las mich in Film-Bücher ein, holte mir Rat von erfahrenen Journalisten, puzzelte, strukturierte, warf alles wieder um und gelangte endlich zu einer Fassung, mit der ich mich glücklicherweise erfolgreich vor das Prüfungskomitee wagte.
Sobald ich meine Master-Arbeit beendet haben werde, drehe ich noch einige Szenen mit einem professionellen Kameramann, dann geht es in den Schnitt und ich werde mit dem dann erweiterten Rohmaterial mein Projekt mit professioneller Unterstützung endlich fertig stellen. Ich hoffe, dies ist nur der Anfang einer langen Reihe journalistischer Filme, die ich in Zukunft noch drehen werde.
Nicht zu lange nachdenken. Einfach loslegen, sich trauen –  in die Welt hinaus.