Name: Clara Boie Der Relauch von ZEITonline.de bescherte Clara Boie eine Reihe spannender Projekte: Konzepte für den neuen Online-Auftritt erstellen, aus Rohmaterial Beiträge schneiden oder eigene Reportagen produzieren. Nach ihrer Praxisphase hatte sie außerdem einen begehrten Job in der Tasche.
Praktikumsstelle: ZEITonline.de, Hamburg
5. März 2007, kurz vor 10 Uhr stehe ich in Hamburg am Speersort 1 vor dem 1938 gebauten Pressehaus. Früher war dies einmal der Sitz der Redaktionen, unter anderem von den Magazinen Stern und Spiegel. Heute hat dort noch DIE ZEIT ihre Redaktion. Hier werde ich also die nächsten vier Monate - meine Praxisphase - verbringen. Tagtäglich werde ich mit demselben Fahrstuhl wie Giovanni di Lorenzo oder Josef Joffe in den dritten Stock fahren, vorbei an den Empfangsdamen durch einen langen Gang laufen, dann in einem entlegenen Treppenhaus die Stufen wieder herunter in den zweiten Stock gehen, um schließlich ein Teil der Multimediaredaktion von ZEIT online zu werden.
Mein Arbeitsplatz ist gut ausgestattet: Zwei kleine Sonykameras, Richtmikrofone, MD-Recorder sowie Audio- und Video-Schnittprogramme. Da wundert es, dass das Multimediaressort so wenig präsent auf der Homepage zu sehen ist. Das soll sich ändern. Am 14. Mai steht der Relaunch der Seite ZEIT online an. Grafik, Produktion, Technik und Redaktion arbeiten fieberhaft auf den Termin hin. Später, am Tag des Relaunches, wird der Chefredakteur Gero von Randow sagen: „Das war wie eine Geburt!“ Aber bis dahin ist noch viel zu tun.
Die ersten zwei Monate wurde ich vor allem in die konzeptionelle Arbeit eingebunden. Das Videoangebot sollte nicht nur durch Eigenproduktionen, wie zum Beispiel durch die Kolumne „Dr. Max erklärt die Welt“ oder den von watchberlin.de bezogenen Martenstein-Kommentar erweitert werden, sondern auch durch Nachrichtenbeiträge von Reuters. Wir planten den Aufbau des neuen Videoplayers der Homepage, überlegten uns einzelne Unterrubriken für die Video-Centerpage und dachten über neue Formate nach.
Eher journalistisch geprägt war die zweite Hälfte meiner Praxisprojektphase. Durch den VJ-Workshop an der Hamburg Media School, in dem ich mit dem Schnittprogramm "Avid" arbeitete, war es kein Problem für mich mit dem sehr ähnlich aufgebauten Programm „Final Cut“ zu schneiden. So produzierte ich zum Beispiel aus dem von Ulrich Ladurner, Redakteur im Print, aus Afghanistan mitgebrachten Rohmaterial einzelne Beiträge, drehte aber auch eigene Reportagen, unter anderem vor dem G8 Gipfel in Heiligendamm oder kurz vor der documenta 12 in Kassel.
Mich hat es selbst überrascht, dass man sich in so kurzer Zeit mit einem Medium identifiziert und sich für die Qualität verantwortlich fühlt. Ich denke, das liegt nicht zuletzt an dem großartigen Team, zu dem ich glücklicherweise nach meinem Studium im September wieder gehören werde.