Name: Simone Bartsch Simone Bartsch tauchte als Videojournalistin für das Online-Video-Portal watchberlin.de der Medienproduktionsfirma "Lizard Media" in die Berliner Esskultur und Promiszene ein.
Praktikumsstelle: watchberlin.de, Lizard Media, Berlin
Der tägliche Weg zur Arbeitsstätte meiner Praxisphase hätte `berlinerischer` nicht sein können: Mit der U-Bahn ging es zwei Monate lang jeden Morgen von Friedrichshain - vorbei an Alexanderplatz und Hackeschen Höfen - zur Friedrichstraße und weiter bis zur Kreuzberger Station Mehringdamm, die direkt an der berühmten Imbissbude „Curry 36“ liegt. Anschließend noch vorbei an Cafés und kleinen Lädchen, bis ich im Hinterhof eines typischen Berliner Wohnhauses die Lizard Medienproduktion erreichte. Und so gut jeder Tag mit dieser Fahrt entlang der Berliner Sehenswürdigkeiten begonnen hatte, so gut ging er auch immer hinter den Türen der „Lizards“ weiter.
Die „Lizards“, das sind die drei Chefs der kleinen Medienproduktionsfirma Lizard, in der ich meine Praxisprojektphase absolvierte. Inka Wienen, Kersten Schüssler und Tom Friedl haben sich vor Jahren mit ihrem kleinen Unternehmen selbständig gemacht und produzieren in ihrem Großraum-Loft-Büro neben Fernsehproduktionen für 3sat, ntv oder ZDF auch Beiträge für ein innovatives, junges Format: das Online-Video-Portal watchberlin.de. Und für eben dieses Internetportal habe ich zwei Monate lang Beiträge gedreht, geschnitten und geplant, die täglich aktuell online gestellt wurden.
Glücklicherweise hatte ich durch einen Videojournalismus-Workshop während des Studiums und die Talksendung „außen kantig“, die wir Studenten an der Hamburg Media School eigenständig produziert hatten, schon eine gewisse Routine im Umgang mit Kameras und dem Avid-Schnittprogramm. Und so war es auch nicht dramatisch, dass ich gleich an meinem ersten Drehtag auf einen nicht unbekannten Zeitgenossen traf: Michel Friedman stellte sich für seinen wöchentlichen Kommentar vor meine Kamera und sprach seinen Text ein. Nach vier Minuten war der Spuk vorbei, Michel Friedman verließ mit seinen Bodyguards die Lounge und ich eilte mit dem Material zurück in die Redaktion, um den Kommentar zu schneiden, den Ton auszupegeln und Vorspann und „Bauchbinden“ (eingeblendete Textbalken) einzufügen.
So wie dieser Tag sollten noch viele Tage bei watchberlin.de ablaufen: Neben Friedman sprechen beispielsweise auch Harald Martenstein, Henryk M. Broder oder Roland Tichy Kommentare für das Online-Portal, darüber hinaus werden noch andere Formate wie das Porträt eines typischen Berliner „Icke“, die Glosse „Der Kulturterrorist“ oder der Volkskommentar „Das Meinungshaus“ produziert. Oft waren die Arbeitstage sehr lang, was meistens daran lag, dass die Technik versagte – oder wir sie nicht immer perfekt beherrschten. Doch die gute Stimmung innerhalb des Teams konnte dadurch nie getrübt werden und wenn es mal wieder ein sehr langer und anstrengender Arbeitstag war, half zumeist ein kühles Alster mit den äußerst netten Kollegen oder eine scharfe Currywurst bei „Curry 36“ über die Müdigkeit hinweg.
Das Großartigste aber an den zwei spannenden Monaten bei Lizard war, dass es unglaublich viel Spaß gemacht hat, eigenständig produzieren zu können und das Erarbeitete spätestens am nächsten Tag im (Internet-)Fernsehen zu sehen. Da das Onlineportal noch sehr jung ist, entwickelt es sich momentan ständig weiter, und ich konnte eigene Ideen unbürokratisch und schnell einbringen und umsetzen.
Und dass watchberlin.de und die Lizards – zu denen ich nun in gewisser Weise auch gehöre – mit ihren Ideen und ihrer lockeren, kreativen und innovativen Arbeitsweise auf dem richtigen Weg sind, ist nicht zuletzt an der Nominierung des Online-Video-Portals für den Grimme-Online-Award 2007 zu sehen.