Verbeet, M. & Trepte, S. (Hrsg.) (2010). Allgemeinbildung in Deutschland. Erkenntnisse aus dem SPIEGEL-Studentenpisa-Test. VS-Verlag: Wiesbaden.
Wer mehr und wer weniger weiß ist eine Frage, die Deutschland umtreibt. Schulreformen, Fernsehquizshows und Diskussionen über die Zukunft des Wissens im Zeitalter von Google zeigen, dass die Menschen etwas über das Wissen wissen wollen. In einer großangelegten Studie hat der SPIEGEL mehr als 600.000 Menschen einem Wissenstest unterzogen: dem Studenten-Pisa. Die Testergebnisse wurden nun von Wissenschaftlern ausgewertet und aufbereitet. Es zeigt sich, dass das Alter und die regelmäßige Nutzung von Nachrichten einen Einfluss auf das Wissen haben. Dabei halten die tiefgehenden Analysen einige Überraschungen bereit: Lehramtsstudierende sind ihren Kommilitonen in allen Fächern unterlegen. Das Allgemeinwissen wächst stetig an und stabilisiert sich erst ab dem Alter von 50 Jahren. Die besten unter den Befragten nutzen deutlich mehr das Internet und weniger das Fernsehen oder Radio, um sich zu informieren. Insbesondere Online-Nachrichtenmedien erwiesen sich als "Bildungsmotor".
Die Herausgeber Prof. Sabine Trepte und Dr. Markus Verbeet richten sich mit ihrem Band "Allgemeinbildung in Deutschland" an Akademiker aller Disziplinen, die nach einer fundierten Analyse suchen, welche Bevölkerungsgruppen mehr wissen als andere und welche soziodemographischen und strukturelle Merkmalen den Wissenserwerb befördern oder behindern. Insbesondere Lehrer, Professoren und Bildungsverantwortliche finden hier Antworten auf die Fragen: Worauf sind Geschlechtsunterschiede in der Allgemeinbildung zurückzuführen? Was lässt sich für die Qualität der deutschen Hochschulen schlussfolgern? Wirkt sich regelmäßige Mediennutzung positiv auf die Allgemeinbildung aus?
So zeigte sich beispielsweise, dass Studierende der Politologie und Geschichte die beste Allgemeinbildung haben. BWL, Kunst und Biologie liegen im Mittelfeld, während Studierende der Informatik oder Sportwissenschaften die Schlusslichter sind. Studierende, die in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt ihr Abitur erworben haben, beginnen ihr Studium offensichtlich mit einem Bildungsvorsprung, sie schneiden in Wissenstests besser ab als Studierende aus Bremen oder Hamburg. Auch bestimmte Hochschulen erweisen sich als Brutstätten der Allgemeinbildung. Zwischen den Universitäten gibt es sehr große Unterschiede, die jedoch nicht immer nur auf die Forschungsreputation und die Anzahl der betreuenden Professoren zurückgeführt werden kann, sondern auch darauf, ob eine Universität Studiengebühren erhebt und ob die Studierenden die Universitätsstadt für attraktiv halten.
In 20 Kapiteln analysieren die Autorinnen und Autoren, welche Faktoren Allgemeinbildung befördern und behindern. Sie forschen und lehren an den Universitäten Bochum, Camebridge, Hohenheim, Heidelberg, Innsbruck, Iowa, München, Münster, Wien, Wuppertal, am Fraunhofer Institut und am Wissenschaftszentrum Berlin. Ihre Analysen beruhen auf dem Studenten-Pisa des SPIEGEL, einem großen Wissenstest mit 45 Fragen, der im Jahr 2009 durchgeführt wurde. Der Fragebogen beinhaltet beispielsweise einen Wissenstest Politik, einen Wissenstest Geschichte und einen Wissenstest Wirtschaft, einen Wissenstest Naturwissenschaften und Wissenstest Kultur. Der Datensatz ermöglicht detailreiche Auswertungen nach Hochschulen, Bundesländern und in Abhängigkeit von soziodemographischen Faktoren, die in diesem Umfang bisher nicht möglich waren. In zwei Studien, die ebenfalls im Buch veröffentlicht sind, wird die Reliabilität und Validität des Studenten-Pisa nachgewiesen. Der Wissenstest ist demnach auch für andere Studien zur Allgemeinbildung nutzbar. Die Testfragen des Studenten-Pisa sind mit allen Antworten im Anhang des Buches dargestellt.
Prof. Sabine Trepte ist Medienpsychologin an der Universität Hamburg und der Hamburg Media School. Dr. Markus Verbeet ist Redakteur beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.
Sabine Trepte & Markus Verbeet. Allgemeinbildung in Deutschland.
Erkenntnisse aus dem SPIEGEL-Studentenpisa-Test.
Broschiert: 367 S. Mit 119 Abb. u. 65 Tab. Geb
Verlag: VS; Auflage: 1 (2010)
ISBN: 978-3-531-17218-7
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Vorwort
Sabine Trepte, Markus Verbeet
Journalismus und Wissenschaft tun sich nicht immer leicht miteinander. Denn mancher Journalist und ebenso mancher Wissenschaftler pflegt Vorurteile und Vorbehalte. Die Journalisten sind angeblich nur auf die knallige Überschrift aus und verstehen die Zusammenhänge nicht. Die Wissenschaftler hingegen scheren sich angeblich nicht um den Rest der Welt und sorgen sich, dass sie missverstanden werden. Dabei sollten und könnten doch beide voneinander profitieren: die Journalisten gewinnen spannende Themen für ihre Berichterstattung, die Wissenschaftler öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Forschung.
Dieses Buch will eine Brücke schlagen zwischen Journalismus und Wissenschaft. Es handelt von einer journalistischen Idee, die mit wissenschaftlicher Begleitung zu einem großen Publikumserfolg wurde: dem Wissenstest "Studentenpisa", den der SPIEGEL in Zusammenarbeit mit studiVZ im Jahr 2009 angeboten hat. Jeder Teilnehmer hatte 45 aus einer Auswahl von 180 Aufgaben zu lösen, die Fragen entstammten den Bereichen Politik, Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Naturwissenschaften. Die Resonanz hat alle Erwartungen übertroffen. Die Startseite des Tests wurde im Internet 1,5 Millionen Mal aufgerufen. Rund 700000 Teilnehmer klickten bis zur letzten Frage, und rund 400000 Teilnehmer forderten ein individuelles Feedback an. SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE berichteten in zahlreichen Artikeln über die Ergebnisse. Diese stießen auf großes Interesse und sorgten teilweise für großes Erstaunen.
Zugleich blieb das Gefühl zurück, dass sich aus den gesammelten Daten noch mehr Erkenntnisse gewinnen lassen. Die Herausgeber haben deshalb Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen, den Datenschatz genauer zu untersuchen. Was die SPIEGEL-Redaktion aus journalistischem Interesse erhoben hatte, sollte mit wissenschaftlicher Expertise noch weitergehend analysiert werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in diesem Band zu finden. Ihn kann es nur geben, weil Journalismus und Wissenschaft ihre jeweiligen Stärken eingebracht haben. Ohne die Reichweite des SPIEGEL in Zusammenarbeit mit studiVZ wären niemals eine solche Teilnehmerzahl und solche Aufmerksamkeit erzielt worden, ohne die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wären die Konzeption des Tests und die Analysen nicht möglich gewesen. 20 Aufsätze versammelt dieser Band, zu dem Forscherinnen und Forscher diverser Disziplinen beigetragen haben. Sie fördern viele spannende Erkenntnisse zutage und regen damit zur Diskussion über Allgemeinwissen und seine Erfassung an. Sie zeigen aber auch manche Grenze auf, die eine solch publikumsträchtige Aktion im Vergleich zu einem Test unter Laborbedingungen notwendigerweise mit sich gebracht hat.
Den Auftakt bildet ein Essay des Historikers Eckhard Freise, der eine ungewöhnliche Begegnung mit einem Massenmedium erlebt hat: Er hat als erster Kandidat in Jauchs Quiz-Show "Wer wird Millionär?" den Höchstgewinn abgeräumt. Der zweite Beitrag entstammt der Organisation, die den offiziellen Pisa-Test verantwortet. Richard Yelland von der OECD greift das Studentenpisa des SPIEGEL auf, um die Pläne der OECD für eine weltweite Messung des Leistungsstands von Studierenden zu beschreiben. Anschließend werden - im ersten Teil des Buches - methodische Grundlagen erörtert: wie der Studentenpisa-Test entstanden ist, welchen Regeln die Konzeption eines Wissenstests unterliegt, und welche Aussagekraft der Studentenpisa-Fragenkatalog hat.
Die weiteren Kapitel untersuchen, welche Faktoren den Wissensstand der Teilnehmer beeinflussen: Was macht jemanden zum Besserwisser, was zum Ahnungslosen? Im zweiten Teil des Bandes gehen die Autoren soziodemographischen Einflussfaktoren wie Studienrichtung, Studienort oder Alter nach. Im dritten Teil konzentrieren sie sich auf die Hochschulen und ihre Charakteristika wie Reputation oder Betreuungsverhältnis. Im vierten Teil geht es um die Mediennutzung und damit unter anderem um die Frage, ob SPIEGEL-Leser tatsächlich mehr wissen. Mit dem fünften Teil wurde ein eigener Schwerpunkt zu der wohl heikelsten Frage gebildet, die der Studentenpisa-Test aufgeworfen hat: Warum erzielen Frauen schlechtere Ergebnisse als Männer? Der Anhang schließlich enthält den vollständigen Fragenkatalog des Wissenstests.
Den Herausgebern bleibt, allen Beteiligten großen Dank auszudrücken. Die Autorinnen und Autoren haben ihre disziplinären Gewohnheiten für diesen Band vielfach aufgegeben und sich für ein öffentliches Verständnis der Wissenschaft eingesetzt. Von Vorbehalten oder Vorurteilen haben wir nichts gespürt, ganz im Gegenteil: Die Zusammenarbeit war stets höchst erfreulich. Möge dieser Band den Lesern ebensolche Freude bereiten.
Hamburg, im Sommer 2010
Sabine Trepte und Markus Verbeet
Quelle: Sabine Trepte & Markus Verbeet. Allgemeinbildung in Deutschland. Erkenntnisse aus dem SPIEGEL-Studentenpisa-Test.
Broschiert: 367 S. Mit 119 Abb. u. 65 Tab. Geb
Verlag: VS; Auflage: 1 (2010)
ISBN: 978-3-531-17218-7
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Forschungsprojekte:
Auswahl und Gestaltung von Avataren in Computerspielen
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DFG Projekt: Längsschnittstudie zum Web 2.0
DFG Projekt: „Young Scholars Network on Privacy and Web 2.0
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