Medienmanagement-Blog
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Die Medienreise 2008

Vier Länder, 10 Städte und fünf Unternehmen haben die Medienmanagement-Studierenden des Jahrgangs 2008 auf ihrer Medienreise besucht. Über eine Menge spannender Eindrücke berichten sie in ihrem Tagebuch:

1. Tag

Abfahrt: Sonntag, 06. Juli 2008
Route: Hamburg – Köln

Da simmer dabei!

Hamburg, 12.00 Uhr mittags, strahlender Sonnenschein – die Medienreise des Jahrgangs Medienmanagement 08 beginnt. Vor uns liegen vier Länder, fünf Unternehmen und 24 Stunden Autofahrt. Hoch motiviert beziehen wir unseren schwarzen 9-Sitzer, der uns auf verlässliche Weise auf dem Weg durch die internationale Medienwelt begleiten wird. Wie sollte es anders sein, St. Antonius, der Heilige der Autofahrer, ist uns nicht ganz wohl gesonnen und wir müssen gleich auf unserer ersten Etappe diverse Stunden im Stau verbringen – was der guten Laune aber in keiner Weise einen Abbruch bescherte. Leicht verspätet können wir schließlich in unserem Hotel im Herzen Kölns einchecken und am hochsommerlichen Sonntagabend die Annehmlichkeiten der Domstadt genießen.

Tag 1: Montag, 07. Juli 2008
Route: Köln – Mainz
Unternehmen: ZDF
Gesprächspartner: Herr Steinmetz, Michael Sahr (Referent des Intendanten), Frau Lewening (Personalmarketing und -entwicklung)

Mit dem Zweiten sieht man besser!

Gestärkt von einem reichhaltigen Frühstück begeben wir uns entlang des Rheins auf die Reise zum Mainzer Lerchenberg. Dort werden wir sehr herzlich von Herrn Steinmetz zur Führung durch das ZDF empfangen, der uns sofort mit Klaus Kleber bekannt macht. Leider nur mit der virtuellen Ausgabe des Ancormans und in der Bluebox – was den Damen nichtsdestotrotz ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Allerdings werden die Herren nicht vernachlässigt. Gleiches geschieht mit ihnen, als sie die Autogrammkarte von Gundula Gause überreicht bekommen. Weiter geht es durch den ZDF-Newsroom und das in Europa am besten ausgelastete Nachrichtenstudio der heute-Redaktion. In den Kulissen des Fernsehgartens hören wir Anekdoten von Stars und deren Fans und werden in das welt-einzigartige Phänomen des „Boygroup-Tunnels“ eingeweiht. Eigentlich als Belüftungsschacht gedacht, ist dieser zum Schutz vor kreischenden Teenie-Fans zweckentfremdet worden, so dass eine vor einiger Zeit sehr angesagte Truppe junger, gut aussehender Singtalente auf diesem Wege ungesehen, aber vor allem rechtzeitig zur Bühne geschleust werden konnte.

Anschließend empfangen uns Michael Sahr, der Referent des Intendanten und Frau Lewening, die für Personalmarketing und -entwicklung verantwortlich ist, zu einem angeregten Gespräch in ZDF-Hochhaus.

In einer urgemütlichen Gaststube in der Mainzer Innenstadt endet der erste Tag unserer Medienreise – natürlich bei Weck, Worscht unn Woi.

2. Tag

Tag 2: Dienstag, 08. Juli 2008
Route: Mainz – Stuttgart – Ravensburg – Lichtenstein
Wetter: 20°, heiter bis wolkig
Unternehmen: Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
Gesprächspartner: Cathrin Vischer (Leiterin Personalmarketing/-entwicklung), Annegret Teichert Assistentin/Referentin Personalmarketing/-entwicklung), Frank Penning (Director Holtzbrinck eLab)
Nacht: Gorfion-Familienhotel

Gruschel mich!

8.00 Uhr: Der Wecker klingelt, Wehmut kommt auf. Es heißt Abschied nehmen von Mainz, der schönsten aller mitteldeutschen Großstädte im Raum Mainz. Aber viel hat sie uns gegeben, diese pfälzische Perle: Wir kennen mittlerweile alle unsere zweiten Vornamen, wissen um den nicht imitierbaren Standortvorteil eines Getränkeautomaten auf dem eigenen Stockwerk und kommen zudem beim Frühstück in den Genuss von mit Hingabe gelebter Erlebnis-Gastronomie, befinden wir uns doch in den Marmelade & Saft-Wochen (nicht minder lecker eingerahmt von den Ei- und Wurst-Wochen).

9.00 Uhr: Soll-Abfahrt. Würde eine entspannte Anreise nach Stuttgart garantieren.

9.30 Uhr: Ist-Abfahrt. Der Druck liegt jetzt beim Fahrer. Wie so oft in der Woche…

Fast pünktlich (wie so oft in dieser Woche…) treffen wir in der Holding der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ein. Dort angekommen werden wir äußerst nett und charmant von Cathrin Vischer und Annegret Teichert begrüßt. Der schwäbische Dialekt zeigt sich von seiner besten Seite und erzeugt sofort Sympathien bei jedem von uns. In einer angenehmen, weil kurzweiligen Präsentation werden wir in die vergangenen und aktuellen Aktivitäten der Verlagsgruppe eingeführt. Qualitäts- statt Kostenführerschaft steht bei Holtzbrinck hoch im Kurs, so lautet die in den Ohren Kennzahlen geplagter Medienmanager wohltuend klingende Quintessenz des Vortrags. Auch im Bereich elektronische Medien ist die Verlagsgruppe äußerst aktiv (ja richtig, dass sind die mit dem StudiVZ), und so gibt uns Frank Penning, Director im Holtzbrinck eLab, Einblicke in die Arbeit der Holtzbrinck-Töchter Ventures, Networks und vor allem natürlich eLab. Wer von uns schon immer wissen wollte, wie man erfolgreich Internet-Startups gründet, der weiß es spätestens nach diesem Vortrag. Nicht minder interessant: Bundeswehr-Führungsstil und hippe Startups sind durchaus miteinander vereinbar, Weltherrschaft ist besser als bayerische Nische und Erotikanbieter haben nicht die schlechtesten aller Geschäftsmodelle im Netz. Im Anschluss an die Vorträge dürfen wir, lecker Saté-Spießchen knabbernd, im persönlichen Gespräch mit unseren drei Gastgebern das zuvor gehörte noch weiter vertiefen. Hierbei kommt der Klärung der Frage, ob das Screening von Erotik-Portalen moralisch einwandfrei in die tägliche Wettbewerbsanalyse eines Medienmanagers integriert werden könnte, besondere Bedeutung zu. Der Gesprächsbedarf ist hoch, doch die Zeit drängt. Stilecht verabschiedet mit Gruschel-mich-Aufklebern und mit reichlich Lesestoff versehen, müssen wir uns nach fast drei Stunden wieder von unseren sympathischen Gastgebern verabschieden.

Nach unserem obligatorischen Foto vor dem Eingang der Holding heißt es dann wieder für alle ab in die Casual-Klamotten und rein in den Van. Vor uns liegen ca. vier Stunden Fahrt, inklusive Feng-Shui-Autobahn-Raststätten, Pausen am Bodensee, Schweiz und Österreich. Ziel: Lichtenstein, die unbekannte Größe unter den europäischen Großmächten. Dort pflegen wir in dem größten, weil einzigen Ski-Gebiet des Fürstentums unsere Autositz geplagten Rücken in der Sauna, genießen Aprés-Ski-Lokale ohne Aprés (da auch kein Ski), staunen über die kompliziert verflochtenen Besitzverhältnisse im Lichtensteiner Mittelstand und erörtern mit Einheimischen in fast dialektischer Manier das im Fürstentum neu eingeführte Rauchverbot („Des zupft mi oa“). Auch nicht schlecht: Andi wird über Nacht aktivster Twitter-User Lichtensteins.

3. Tag

Tag 3: Mittwoch, 09. Juli 2008
Route: Malbun, Triesenberg in Liechtenstein – Stresa – Mailand
Wetter: 28°, heiß
Unternehmen: Gruner+Jahr/ Mondadori
Gesprächspartner: Rolf Heinz (CEO G+J/M), Paolo Savattoni (Verlagsleiter Top Girl, Jack, Geo), Martin Trautmann (Verlagsleiter Fokus Markenfamilie), Francesca Castellano (Leiterin HR), An-Fu Ruess (Projektmanagerin Online)
Nacht: Stresa Italie et Suisse

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“

Begleitet von wunderschön in der Morgensonne liegenden Bergspitzen und Kuhgeläut machen wir uns von unserem Nachquartier auf ca. 1300m wieder auf den Weg bergab ins Rheintal. Frisch wie nie zuvor nach dem Wellness-Programm des vorhergehenden Abends, freuen wir uns auf neue Taten und den italienischen Sommer! Über zahlreiche Serpentinen gelangen wir auf die Schweizer Autobahn, die uns in Richtung oberitalienische Seen führt.

Weil es die Fahrt mit dem Bus in die Innenstadt von Mailand in sich hat, ziehen wir die italienische Bahn vor und fahren mit dem Bus nur bis Stresa (am Südwestzipfel des Lago Maggiore), wo wir auch unser Hotel für die Nacht reserviert haben.

Um 16.00 Uhr sind wir schließlich am Corso Monforte bei G+J/M und freuen uns über ein vielfältig zusammengestelltes Programm: Wie man sich vorstellen kann, ist die Zusammenarbeit zwischen dem größten deutschen und dem größten italienischen Verlagshaus eine spannende Angelegenheit. Von Rolf Heinz, CEO des Joint Ventures, erfahren wir, wie sich G+J dieser Herausforderung mittlerweile seit 1989 sehr erfolgreich stellt. Auch der italienische Zeitschriftenmarkt hat mit zurückgehenden Verkaufszahlen zu kämpfen. Hinzu kommt, wie wir von An-Fu Ruess – u. a. verantwortlich für das Teenie-Onlineportal TOP GIRL – lernen, dass die jungen Italiener/innen über geringere Web-2.0-Kompetenz verfügen, als z.B. die deutschen User im vergleichbaren Alter.

Dennoch hat es G+J/M in den letzten Jahren geschafft, das Ergebnis stabil zu halten. Erfolgsrezept sind dabei die vom deutsch-italienischen Verlag sorgfältig abgestimmten Line-Extensions im populärwissenschaftlichen Segment. Mit der FOCUS-Familie wollen sie den Leser vom frühen Kindesalter bis in die Rentenzeit mit wissenswerten und unterhaltsamen Inhalten versorgen. Weiteren Umsatz bringen auch Add-ons, die sich im italienischen Markt als dritte Erlösquelle neben Einzelverkauf und Anzeigen etabliert haben. Doch hier ist ein Learning, dass nach einigen Jahren großen Erfolgs, die Euphorie über diese zusätzlichen „Markenartikel“ langsam abnimmt. Größte und allseits bekannte Herausforderung bleibt schließlich die Monetarisierung des Online-Business, worüber wir auch in dieser Runde mit CEO, Verlagsleitern und Online-Verantwortlichen am meisten diskutieren.

Doch bekanntlich wird in Italien ja gearbeitet, um zu leben! Auch dieser Teil darf bei unserem Besuch nicht zu kurz kommen. Deshalb machen wir uns ab 20.00 Uhr gemeinsam auf den Weg in eine typische Mailänder Bar zum „Aperitivo“. Auf großzügige Einladung von unseren Gastgebern genießen wir dort italienische Spezialitäten und Getränke vom Buffet.

21.30 Uhr: Noch ein kaltes Peroni in die Hand und ab in den Zug nach Stresa. Dort stolpern wir ausgerechnet in die Miss-Stresa-Wahl – die Jungs finden es wohl großartig... Heike und Katharina ziehen solange ein nächtliches Bad im See vor. Ansonsten Vino Rosso, Gelato und Pizza, bis in diesem beschaulichen Örtchen die Bürgersteige hochgeklappt werden – was in Anbetracht des morgigen Programms glücklicherweise recht früh ist...

4. Tag

Tag 4: Donnerstag, 10. Juni 2008
Route: Stresa am Lago Maggiore – Zürich – Meckatz im Allgäu
Wetter: 30°, Kaiserwetter
Unternehmen: Ringier AG
Gesprächspartner: Dr. Christoph Bauer (Leiter Wirtschaftsmedien), Oliver Bernheim (Leiter Marketing Werbemarkt Blick), Pascal Zemp (Projektleiter New Media)
Nacht: Zum Hirschen (Meckatz)

Hopp Schwiiz

5.00 Uhr: Ganz nach dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“, machen sich die angehenden Medienmanager in aller Herrgottsfrühe um Punkt 5 Uhr morgens auf die Reise von Stresa am Lago nach Zürich. Nach einigen Problemen, so früh eine Tankstelle zu finden, haben wir dann aber doch erfolgreich den Tank gefüllt und fahren auf kurviger Straße am Lago Maggiore dem Sonnenaufgang entgegen.

Standesgemäß überqueren wir die italienische Grenze mit der Fratelli d'Italia („Brüder Italiens“, eigentlich Il Canto degli Italiani, „Das Lied der Italiener“), also mit Klängen der Nationalhymne im Radio und fahren weiter Richtung Zürich. Nach zahllosen Tunneln und einigen Stunden Fahrt schaffen wir es dann sogar überpünktlich, vor dem Termin noch einen Schweizer Schümli zum Aufwachen zu trinken. Entgegen „Im Sommer da regnets, im Winter da schneits…“  begrüßt uns die Schweiz mit strahlendblauem Kaiserwetter.

10.00 Uhr: Natalie Chappelett, die Assistentin der Konzernleitung, empfängt uns wärmstens und begleitet uns zum Konferenzraum, wo uns Dr. Christoph Bauer, der Leiter der Wirtschaftsmedien von Ringier erwartet. Er präsentiert uns Fakten zur ersten multimedialen Wirtschaftszeitung der Schweiz und eindrucksvolle Informationen über das weitere Portfolio der Cash-Gruppe. Ausgehend von der wöchentlichen Wirtschafts-Kaufzeitung CASH ist das Konzept verändert worden und wird dem Leser nun täglich als kostenlose Printausgabe CASH daily und als multimediales Livepaper zur Verfügung gestellt. Des Weiteren besteht das Portfolio aus der größten multimedialen Wirtschafts- und Finanzplattform CASH.ch, CASH mobile Anwendungen für das Handy und CASH TV als Wirtschaftsmagazin im Schweizer Fernsehen. In der beeindruckenden Präsentation wird deutlich, dass trotz des allgemein üblichen Auflagenrückgangs im Printbereich dieser innovative Ansatz, als integriertes Medienunternehmen vernetzte Kommunikation aus einer Hand für die Nutzer anzubieten, überaus erfolgreich sowohl von den Werbekunden als auch vom Lesermarkt angenommen wird. Diese Transformation des klassischen Print-Ansatzes überzeugt uns alle davon, dass Printverlage mit einem innovativen Konzept durchaus überlebensfähig sind und optimistisch in die Zukunft schauen können, wenn sie diese Transformation wagen.

13.30 Uhr: Nach dem Mittagessen informiert uns Oliver Bernheim, Leiter des Marketings vom „Blick“, der größten täglichen Boulevardzeitung der Schweiz, über den Wandel der kostenlosen Abendzeitung „heute“ zum „Blick am Abend“. Zuvor hatte die Gratiszeitung „heute“ als separates Produkt bestanden und die Leser kostenlos am Abend über die Geschehnisse des Tages informiert. Dieses Produkt ist nach ausführlicher Marktforschung und Zielgruppenanalyse sowie nach verändertem Layout und diversen Farbanpassungen letztendlich brombeerfarben in die Blick-Familie aufgenommen worden. Die kostenlose, täglich erscheinende Abendzeitung bereichert von nun an das Portfolio und wird nach Aussage von Oliver Bernheim ebenfalls erfolgreich angenommen.

14.30 Uhr: Abschließend informiert uns Pascal Zemp, Projektleiter New Media, über den integrierten Newsroom der Zukunft. Eine effizientere Organisation des Redaktionsraums mit Kombination der Ressorts, multimedial ausgebildete Online- und Video-Journalisten sowie zentralem Newsdesk mit Chefredakteur, CvD, Blattmachern und Online-Chefredakteuren etc. scheinen nach Aussage von Pascal Zemp derzeit bei mehreren Redaktionen en vogue zu sein, um Content multimedial zu erstellen und Synergien auszunutzen. Pascal Zemp zeigt uns anhand diverser Beispiele von internationalen Redaktionen verschiedene Ansätze integrierter Newsrooms und im Anschluss den Redaktionsraum von der CASH Gruppe mit eigenem WebTV Studio und verzahnten Ressorts.

Nach diesen informativen Vorträgen aus verschiedenen Bereichen des größten Schweizer Verlagshauses nutzen wir im Anschluss die Gelegenheit, den Zürichsee und den exquisiten Flair der nicht ganz billigen Einkaufsstraße namens Bahnhofstraße zu bewundern, bevor wir uns wieder ins Auto schwingen müssen.

20.00 Uhr: Etappenziel des Tages ist das gemütliche Meckatz im Allgäu. Hier empfängt uns Katharinas Bruder in seinem Gasthaus mit angeschlossener Brauerei und demzufolge mit reichlich Meckatzer Hopfenkaltschalen… Mehr muss man hierzu wohl nicht schreiben… Das Aufstehen am nächsten Morgen war toll…

5. Tag

Tag 5: Freitag, 11. Juni 2008
Route: Meckatz im Allgäu – München, Endstation
Wetter: 31°, trockener Föhnsommer, dann Gewitter
Unternehmen: Süddeutsche Zeitung
Gesprächspartner: Hans-Jürgen Jakobs (Chefredakteur sueddeutsche.de)
Nacht: Creatif Hotel Elephant (München)

Wahlkampf mit Toten

Vom Meckatzer Brauereiverkehr geweckt und noch in den guten Abendessenerinnerungen schwelgend geht es am Freitagmorgen sehr früh los. Der Abschied von unserem treuen Gefährt ist für den Vormittag angesetzt. Auf zur Mietstation also. Ausschlafen muss trotz Nachmittagstermin noch ein wenig warten.

Dafür kann es in München etwas gelassener als gewohnt losgehen. Den Sprinter eine Stunde nach der Deadline zum Vermieter bringen – kein Problem. Noch Stunden bis zum SZ-Besuch, ein München, das sich von seiner trockenheißesten Sommerseite zeigt – wozu gibt es den  Englischen Garten? Bayerische Gemütlichkeit und „O’zapft is’“- Atmosphäre an den Tischen um uns herum machen die mentale Vorbereitung auf den letzten großen Termin zu einem Vergnügen.

„Ah, da sind ja auch schon meine Gäste“, sagt Hans-Jürgen Jakobs noch schnell zu seinem Handygesprächspartner. Dann verabschiedet er ihn, am Eingang zum fünften Stock stehend, um uns zu empfangen. Hat man an den anderen Stationen oft auf äußerlichen großen Bahnhof gesetzt, zählt hier ganz die Person: Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung online, wir, und ein konzentrationsfördernd schlichter, weißer Konferenzraum. Beamer und Powerpoint-Folien bleiben eine Erinnerung an die zurückliegenden Tage, die heute nicht aufgefrischt wird.

Umso interessanter das Gespräch – nach gegenseitigem Warmvorstellen kommt man in Fahrt und tauscht sich über journalistische Perspektiven der Online-Berichterstattung aus: Weder bereits gemachte Internet-Journalismuserfahrungen kommen zu kurz noch wird die langjährige Erfahrung mit bewährten Medien über Bord geworfen. Paradebeispiel des Tages sind die wahlkampfkompatibel vorgezogenen Feierlichkeiten zum 20. Todestag von Franz-Josef Strauß. Top-Mann für die Berichterstattung ist FJS-Intimkenner Hermann Unterstöger. Er geht klassisch journalistisch vor und liefert den etwas hintergründigen Artikel wie vereinbart gegen fünf – zu spät um an einem sonnigen Freitag den hohen Anteil der SZ-Surfer bei der Arbeit im Büro noch nennenswert zu erreichen. Also reist Onliner Thorsten Denkler mit zur Berliner(!) Feier und bereits um 14.26 Uhr kann „Die Wahl fällt auf einen Gottvater“ erste Info-Bedürfnisse befriedigen. Das von der Edelfeder verfasste, stärker auf Hintergründe abzielende „Der Mann, der die Zeitläufte aufwirbelte“ wird erst publiziert, als wir um 17.21 Uhr gerade die Gebäudeführung beginnen. Einen solchen zweiten Artikel bereits im ersten anteasern? RSS-Feeds, um Interessierte später dezent auf das Update aufmerksam zu machen? Ohne zuviel verraten zu wollen, zeigt sich, dass SZ und HMS mit Interesse und auf Augenhöhe miteinander über die mannigfaltigen Vor- und Nachteile der Leser-Site-Bindung diskutieren können.

Die Führung durch die Räume von sueddeutsche.de hat ohne jede Übertreibung historischen Wert: Nur noch bis Herbst wird von den Gebäuden in und nahe der Sendlinger Straße aus gearbeitet. Sollte es auch unseren Nachfolgejahrgang MM09 zum Süddeutschen Verlag ziehen, wird er sich auf eine gut verkehrsangebundene grüne Wiese begeben müssen.

Beim Rundgang outet nicht nur ein unerwarteter G´spritzer-Test den Chef als waschechten Mainzer. Hans-Jürgen Jakobs stellt sich auch noch als HMS-Kenner der ganz besonderen Art heraus: Zu seiner Hamburger Zeit wohnte er zwei Straßen entfernt von der uns nur zu gut bekannten Frauenklinik Finkenau, in der dann auch seine beiden Kinder das Licht der Welt erblickten.

Nach dem SZ-Besuch ist Schluss, gleich auf mehrere Weisen: Eine Reisende sagt bereits am Gebäude adé – die restlichen Fünf merken beim zünftigen Abendessen sehr schnell, dass auch ein stresserprobter Medienmanagerkörper sein Päuschen verlangt, wenn der Termindruck nachlässt. Der Hax’nteller erweist sich als echte Herausforderung, die zur Abwechslung einmal nicht völlig gemeistert wird. Auch die Maßkrüge werden nur einmal und sehr bedächtig geleert. Begleitet von einem heftigen Gewitter beziehen die Mitreisenden ein letztes Mal im Hotel Stellung und werden sehr früh und nur von gedämpften Fernseherklängen begleitet in einen zufrieden erschöpften Schlaf überführt.

Weiterführende Informationen
Die Bilder der Medienreisen 2005 bis 2008