25.07.2007
Was entscheidet darüber, ob jemand als Ratgeber und Meinungsführer akzeptiert wird? Überzeugt sein tatsächliches Wissen oder eher seine Ausstrahlung? Spielen eloquentes Auftreten und geschliffene Sprache möglicherweise eine größere Rolle als fachliche Kompetenz? Und wie sehr kann jemand Wissenslücken mit Hilfe einer charismatischen Ausstrahlung überspielen? Ein aktuelles Forschungsprojekt der Universität Hamburg und der Hamburg Media School unter Leitung der Psychologen Prof. Sabine Trepte und Benjamin Böcking untersucht am Beispiel politischer Meinungsführer die Erfolgsfaktoren fundiertes Wissen versus überzeugendes Auftreten.
Einfluss hat, wer überzeugen und seine Meinung geltend machen kann. Im Alltag sind das oft so genannte Meinungsführer: Menschen, die sich in bestimmten Bereichen für kompetent halten und von ihren Mitmenschen häufig um Rat gefragt werden. Aber die Meinungsführerforschung hat sich eine wichtige Frage bislang nicht gestellt: über wie viel fundiertes Wissen verfügen Meinungsführer wirklich?
Wir halten sie für kompetent und sie sich auch. Aber sind sie es auch?
Nicht unbedingt. Würde man Meinungsführer fragen, ob sie Experten in ihrem Gebiet seien, würde dies wohl immer bejaht. Dass sie zudem häufig von anderen Personen um Rat gefragt werden, gibt dieser Vorstellung zusätzlich Nahrung. Aber gibt es auch „uninformierte“ Meinungsführer deren kompetent erscheinende Ausstrahlung möglicherweise nicht so sehr auf ihrem tatsächlichen Wissen, als vielmehr auf ihren kommunikativen Kompetenzen gründet? Die Ergebnisse der Studie zeigen: Zum Meinungsführer schafft es nur, wer etwas weiß und eloquent auftritt. Allerdings: wieviel ein Meinungsführer weiss, unterliegt beträchtlichen Schwankungen – und sollte er wenig wissen, kann ihm ein „blendender“ Auftritt durchaus zum Vorteil gereichen.
Blenden allein reicht nicht – aber es hilft ungemein.
Menschen, die andere um Rat fragen, beurteilen ihre Ratgeber durchaus kritisch. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Rat suchende Menschen das tatsächliche Wissen ihrer Ratgeber erstaunlich korrekt einschätzen können. Mit einer interessanten Ausnahme: Meinungsführer, die wenig wissen, aber eloquent auftreten, werden für genau so kompetent gehalten, wie solche, die wesentlich mehr wissen, sich auf dem Parkett der Selbstvermarktung allerdings nicht so sehr zu Hause fühlen. Es zeigt sich: wir können mangelndes Wissen durchaus durch eloquentes Auftreten überspielen - ein gewisses „Halbwissen“ vorausgesetzt.
Weitere Informationen zu Experiment und Studie:
Prof. Dr. Sabine Trepte, Hamburg Media School, Finkenau 35, 22081 Hamburg
Telefon: 040 – 413 468 - 26
Telefax: 040 – 413 468 - 10
E-Mail: s.trepte@hamburgmediaschool.com