11.03.2010
Fünfzehn internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen am 8. und 9. März 2010 zum ersten Treffen des „Young Scholars‘ Network on Privacy & Web 2.0“ in der Hamburg Media School zusammen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Projekt untersucht die Frage nach dem Stellenwert von Privat-sphäre und dem Umgang mit persönlichen Informationen im Web 2.0.
Ziel des Projekts ist, die Chancen und Risiken der Veröffentlichung privater Informationen in Weblogs oder auf Profilseiten in Online-Netzwerken wie Facebook aus einer internationalen Forschungsperspektive zu betrachten und auszuwerten. Im Rahmen des ersten Netzwerktreffens wurden unter der Leitung von Dr. Sabine Trepte, Juniorprofessorin an der Hamburg Media School, bestehende Theorien und Befunde zur Privatsphäre im Internet aufgenommen und diskutiert und offene Fragen für die zukünftige Forschung identifiziert.
Erste Ergebnisse:
- Es bestehen offenbar erhebliche internationale Unterschiede im Umgang mit dem Web 2.0: „Die Privatsphäre in einem Social Network über die Einstellungen zu steuern, drückt ein westliches Bedürfnis nach Kontrolle aus, dieses Bedürfnis ist in asiatischen Kulturen weniger stark ausgeprägt“, so Mike Yao von der City University of Hong Kong.
- Die Nutzung von Networks unterliegt offenbar einem Paradox: Zahlreiche Studien belegen, dass die User mitunter vergessen, dass sie bei der Anmeldung bei einem Portal bereits einen tiefen Einblick in ihre Privatsphäre erlauben und auch ihr Einverständnis geben, dass das Network Eigentümer ihrer Daten wird. Joseph Walther, Professor an der Michigan State University und langjähriger Experte für Online-Kommunikation bestätigt: „Die Nutzer wissen um die Risiken für ihre Privatsphäre, kümmern sich aber während der Nutzung nicht darum, sondern gehen freigiebig mit ihren persönlichen Informationen um.“
- User, die in Social Networks authentisch auftreten, erfahren auch größere soziale Unterstützung innerhalb der Netzwerke, was wiederum auch in ihrem realen Leben eine höhere Zufriedenheit bedeutet. „Die Netzwerke befinden sich in einer Ära der Authentizität. Wer zu sich selbst steht, gewinnt“, betont Dr. Sabine Trepte, Juniorprofessorin an der Hamburg Media School.
Basierend auf den Ergebnissen des ersten Workshops entwickelt das Forschernetzwerk in den kommenden Monaten eine groß angelegte internationale Studie, in der Nutzer des Web 2.0 aus fünf Nationen zu ihrem Umgang mit persönlichen Daten im Internet befragt werden. Die Mitglieder des Forschernetzwerks stammen von den Universitäten Harvard, Hong Kong, Michigan State, Amsterdam, Bath, Hohenheim, Mainz, Duisburg-Essen, Münster, Hamburg, dem Hans-Bredow-Institut Hamburg und der Universität der Künste Berlin. Zwei weitere Treffen werden im Jahr 2011 an der Hamburg Media School stattfinden.