3 Fragen an ... das Schreibkollektiv WUT - warum es sich lohnt, Banden zu bilden
Das Gründen von Schreibkollektiven nach dem Drehbuchstudium hat an der Hamburg Media School fast schon Tradition. Aus den letzten drei Jahrgängen sind so bereits drei Kollektive entstanden, die sich beim Einstieg in die Branche gegenseitig unterstützen und gemeinsam an Projekten arbeiten. Das Jüngste ist das Wort und Tat Kollektiv (WUT) mit den HMS-Absolventinnen Larissa Jacobsen, May-Brit Meyer und Christina Reuter, die hier Einblicke in ihre Gründung und ihre gemeinsame Arbeitsweise geben.
Wie kam es zu der Gründung eures Kollektivs?
WUT: Die Basis, der Ursprung und der Kitt unseres Kollektivs ist, so kitschig das klingt, Freundschaft. Wir haben uns durch das Studium begleitet und dann war es eigentlich ein No Brainer darüber hinaus Kontakt zu halten und uns auch durch den Einstieg in den Beruf zu begleiten. Als bei uns allen langsam die ersten Soloprojekte anliefen, war es unheimlich hilfreich, sich miteinander auszutauschen, da wir gerade am gleichen Punkt waren. Sich Halt zu geben, sich zu bestärken, Erfahrungen zu teilen. Und vielleicht auch durch die Gründung des Kollektivs diesen beruflichen Gesprächen einen Rahmen zu geben, der sich vom Privaten abgrenzt. Klar sprechen wir in unseren Kollektivcalls auch über Privates und privat auch über Berufliches, aber der Fokus ist trotzdem klarer. Aus dem Austausch wurde Routine und aus der Routine erste gemeinsame Projekte.
Auch wenn wir einzeln sehr unterschiedlich schreiben, finden wir uns zu dritt immer im Humor, außerdem können wir dadurch, dass wir uns so gut kennen, sehr klar und ehrlich miteinander kommunizieren. Das hilft nicht nur bei unseren Gemeinschafts-, sondern auch, wenn wir uns bei unseren Soloprojekten unterstützen. Unsere Feedbackkultur ist sehr direkt, dadurch besonders konstruktiv. Und in jedem Fall hilfreicher als „Ich fühl’s irgendwie noch nicht” oder „Ich kann das noch nicht richtig greifen”.
Wie geht ihr in der gemeinsamen Entwicklung vor?
WUT: Unsere gemeinsame Entwicklungsarbeit lebt von Energie. Wir starten oft mit Rapid-Fire-Runden, in denen wir Ideen hin- und herwerfen, uns gegenseitig aufschaukeln und antreiben. Die Zusammenarbeit fühlt sich dann oft an wie drei Wunderkerzen, die man aneinander hält, die sich gegenseitig aktivieren, again kitschig, aber anders nicht zu beschreiben.
Danach zieht sich jede zurück, schreibt und sammelt für sich, bevor wir uns wieder austauschen und uns dann fragen: Was funktioniert gut, welche Richtung inspiriert uns, wohin wollen wir weitergehen? Und manchmal ist dieser Prozess schlicht effizient. Weil eine von uns die Lücke sieht, die die andere nicht sieht. Weil eine die Lösung hat, nach der eine andere schon zu lange sucht. Und selbst wenn keine von uns gerade die zündende Idee hat, entsteht zumindest kein Stillstand. Jemand zieht weiter, jemand schiebt an, jemand hält die Richtung. Das ist so viel wert.
Ob aus einem Projekt ein Trioprojekt, ein Duoprojekt oder ein Soloprojekt wird, ergibt sich jedes Mal sehr organisch. Je nachdem, wer anspringt und welche Dynamik sich entwickelt - und das Gespür dafür haben wir über die Zeit entwickelt. Wichtig ist auch darauf zu achten, wer gerade welche Kapazitäten hat. Wir sind da sehr hinterher, dass darauf Rücksicht genommen und der Workload entsprechend verteilt wird.
Da spielt Regelmäßigkeit auch eine große Rolle, denn sie schafft Verlässlichkeit und Rhythmus. Wir haben, wie alle guten Zusammenschlüsse, selbstverständlich einen Jour Fixe, außerdem gemeinsame Schreibtage und Feedbackgespräche.
Wie seht ihr euch als Kollektiv in der Drehbuch- und Filmbranche? Was wollt ihr bewirken?
WUT: Als Kollektiv sehen wir uns als Gegenentwurf zur Vereinzelung und Unsicherheit, die viele in der Drehbuch- und vielleicht auch allgemein in der Filmbranche erleben. Statt Konkurrenzdenken setzen wir auf Solidarität und darauf, einander wirklich zu unterstützen.
Wir wollten es gemeinsam versuchen, da wir davon überzeugt sind, so viel weiter zu kommen. Inhaltlich, emotional und auch strategisch. Gerade weil Film am Ende immer kollaborative Arbeit ist, hilft es, eine Zusammenarbeit früh im sicheren Kollektiv-Rahmen zu erproben und ein Gefühl dafür zu entwickeln, unter welchen Bedingungen wir in der Branche arbeiten wollen.
Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist es auch, gemeinsam für Autorinnenrechte einzustehen. Ob in Verhandlungen, in Feedbackprozessen und überall dort, wo es darum geht, faire Bedingungen zu schaffen.
Gleichzeitig stärkt uns das Kollektiv auch individuell. Am Ende geht es uns darum, in einer so unvorhersehbaren und schnelllebigen Branche Verbindungen zu schaffen und wenigstens darin einen Anker zu haben.
