Anfang Juni 2026 fand an der Hamburg Media School der jährliche MediaTechDay statt. Einen Tag lang ging es für uns MBA-Studierende um Künstliche Intelligenz, Medien, Start-ups, Journalismus und die Frage, wie technologische Entwicklungen unsere Arbeitswelt beeinflussen und verändern. Das Programm brachte ganz unterschiedliche Perspektiven zusammen: von Datenjournalismus über Deep Tech bis hin zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der Zukunft regionaler Medien.
MediaTechDay 2026: KI, Medien und die Frage nach Zukunft
Andreas Wrede und Marco Maas nach dem Vortrag auf dem Balkon
Den Auftakt machte Marco Maas, Datenjournalist sowie Founder und Geschäftsführer von Datenfreunde GmbH. In seinem Vortrag „Wie kann KI unser verlässlicher Partner werden?“ sprach er darüber, wie stark KI bereits heute Arbeitsprozesse verändert. Dabei ging es weniger um reine Technik, sondern vor allem um den richtigen Umgang mit KI-Systemen. Ein Satz, der besonders hängen blieb, war seine Beschreibung von KI als „bester Praktikant der Welt“. Damit meinte er, dass KI enorm hilfreich sein kann, wenn man weiß, wie man sie für sich am besten nutzt. Dafür benötigt diese aber guten Kontext, klare Anweisungen und regelmäßiges Feedback. Letzteres sei besonders wichtig und werde oft vergessen, aber die Ergebnisse der KI sollten nicht einfach übernommen, sondern geprüft, überarbeitet und zurückgespielt werden. Darüber hinaus sei es wichtig, Probleme gut beschreiben zu können und Maschinen das eigene Arbeiten verständlich zu machen. Wenn man diese Punkte während der Interaktion mit einer KI berücksichtige, schaffe man es richtige „AI Agents“ zu erstellen, und die KI eigenständig für sich arbeiten zu lassen. In dem Zuge machte Maas klar, dass sich Berufsfelder dadurch auch verändern werden. Kontext-Engineering, Prozessverständnis und der gerade genannte „AI Agent“, wird in Zukunft immer wichtiger werden. Sein Blick auf KI war dabei weder rein euphorisch noch ablehnend, sondern vor allem praktisch:
Wer KI sinnvoll nutzt, kann Arbeitsprozesse verbessern und eigene Stärken erweitern.
Sebastian Henley bei seinem Vortrag
Im zweiten Vortrag gab Sebastian Henley, Programm Manager bei Impossible Founders, Einblicke in die Deep-Tech und Start-up-Szene in Hamburg. Henley, der selbst seinen Master an der Hamburg Media School absolviert hat, sprach über die Frage, wie aus innovativen Ideen echte Unternehmen entstehen können. Besonders spannend war dabei der Blick auf Hamburg als möglichen europäischen Tech-Hub. Deep Tech beschrieb er als Technologien, die auf wissenschaftlichen Durchbrüchen basieren und komplexe Probleme lösen. „Everyone can built a startup“, war ein besonders motivierender Gedanke aus seinem Vortrag. Gründen sei nicht nur etwas für Menschen mit rein technischem Hintergrund und sei auch schon während des Studiums gut möglich. Entscheidend sei, ein echtes Problem zu erkennen, Hypothesen zu überprüfen und verschiedene Perspektiven zusammenzubringen. Mit dieser Sichtweise erweiterte er den MediaTechDay um einen wichtigen Blickwinkel, denn es ging nicht nur um Technologie, sondern auch darum, was Menschen daraus machen.
Danach ordnete Mario Ottmann, Geschäftsführer von Gravitas, AI Architect und AI Ambassador bei Google, den aktuellen KI-Hype ein. Sein Vortrag „Wo stehen wir eigentlich bei dem ganzen KI-Hype?“ traf wahrscheinlich ein Gefühl, welches viele kennen. Er sprach über die Sorge, bei KI nicht mehr hinterherzukommen. Er sprach über FOMO (Fear of missing out), die ständige Flut neuer Tools und die Geschwindigkeit, mit der sich der Markt verändert. Gleichzeitig macht er deutlich, dass nicht jede neue Anwendung automatisch eine gute Strategie ersetzt. Für ihn reicht es nicht, einfach ein KI-Tool einzuführen. Teams müssen lernen, KI wirklich sinnvoll zu nutzen. Seine Empfehlung an uns war deshalb sehr konkret: Lieber ein bis zwei der Tools richtig lernen, statt zehn Tols nur oberflächlich auszuprobieren. Am Ende war seine Botschaft ermutigend, denn man sei nicht zu spät dran, sondern können jetzt anfangen, auszuprobieren; Fehler zu machen und daraus zu lernen.
Nach der Mittagspause sprach Philipp Goewe, Leiter Entwicklungsmanagement und Innovation beim NDR, über generative KI im öffentlich-rechtlichen-Rundfunk. Sein Vortrag „Was wollen wir mit generativer KI in unseren Programmen und Angeboten tun?“ zeigte, wie komplex der Einsatz von KI in großen Medienhäusern ist. Beim NDR geht es nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern auch um journalistische Qualität, Verantwortung, Kennzeichnung, Vertrauen und einen Auftrag, den es zu erfüllen gibt. Gerade in großen Medienhäusern, müsse „der ganze Laden mitgenommen werden“. Damit wurde deutlich, dass KI nicht nur ein Thema für einzelne Expert:innen ist. Wenn generative KI im Programm und Angeboten eingesetzt wird, müssen Redaktionen, Strukturen und Entscheidungsprozesse mitgedacht werden. Besonders spannend war auch die Frage, wann KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden sollten. Er erklärte, dass eine Kennzeichnung dann wichtig sei, „wenn beim Publikum eine Fehlvorstellung von der Wirklichkeit entstehen könnte“. Gleichzeitig zeigte sein Vortrag, dass KI nicht automatisch alles einfacher und günstiger macht. Gerade im kreativen Bereich bleiben viele Entscheidungen ethisch und strategisch schwierig.
Burkhard Ewert sprach über die Zeitung und Zukunft
Den Abschluss des MediaTechDays bildete Burkhard Ewert, Chefredakteur für Politik & Gesellschaft bei NOZ Medien und Geschäftsführer der NOZ/mh:n Page. In seinem Vortrag „Zeitung und Zukunft: Wie wir den Journalismus neu denken“ ging es um die Zukunft journalistischer Arbeit in Zeiten von Plattformdominanz, Informationsflut und KI. Ewert machte deutlich, dass Journalismus sich verändern muss, ohne seine Grundaufgaben zu verlieren. Besonders klar formulierte er: „Wenn wir KI nicht nutzen, machen es andere“. Gleichzeitig grenzte er sich von einer zu romantischen Sicht auf KI ab: „KI als Partner zu erachten, halte ich für einen Fehler“. KI sei ein mächtiges Werkzeug, aber kein Ersatz für journalistisches Urteilsvermögen, Recherche und Nähe zu Menschen. Ein weiterer Satz fasst seine Haltung gut zusammen, denn „nicht der Bedarf an Journalismus ändert sich, sondern die Art wie Menschen ihn nutzen“. Journalismus müsse stärker an den Bedürfnissen der Nutzer:innen orientiert sein, ohne dabei an Qualität zu verlieren.
Auffällig war, dass sich durch fast alle Vorträge ähnliche Fragen zogen. Wie viel Arbeit kann KI übernehmen? Welche Kompetenzen bleiben menschlich? Wie verändert sich Journalismus, wenn Maschinen Inhalte produzieren können? Und wie schaffen es Organisationen, nicht nur technisch mitzuhalten, sondern dabei glaubwürdig und verantwortungsvoll zu bleiben?
Der MediaTechDay 2026 zeigte, dass KI nicht nur ein Trendthema ist. Sie verändert bereits jetzt Arbeitsweisen, Berufsbilder und Medienstrategien. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass Technologien allein keine Antworten liefern. Entscheidend bleiben Menschen, die Fragen stellen, Prozesse gestalten, Verantwortung übernehmen und einschätzen können, was sinnvoll, glaubwürdig und gesellschaftlich relevant ist. Am Ende war der Tag weniger eine reine Technikveranstaltung, als ein Blick in eine Arbeitswelt, die sich gerade neu sortiert. Zwischen Hype, Unsicherheit und echten Chancen wurde deutlich, dass die Zukunft der Medien nicht nur durch neue Tools, sondern durch den Umgang mit ihnen, entsteht.
