DIGITALER JOURNALISMUS
Tag des Lokaljournalismus: Drei Stimmen aus dem Master Digitaler Journalismus
von
LARA BETZ
am 05.05.2026
Am Dienstag, 5. Mai 2026 findet erneut der „Tag des Lokaljournalismus“ statt. Der Aktionstag rückt die Bedeutung lokaler Berichterstattung in den Vordergrund und sensibilisiert für die unverzichtbare Rolle von Medien für verlässliche Informationen, Orientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort.
Mit vielfältigen Aktionen machen lokale Medien im gesamten deutschsprachigen Raum auf die Relevanz von Lokaljournalismus aufmerksam. Gemeinsam zeigen sie, wie wichtig starke, unabhängige Medien als unverzichtbarer Bestandteil unserer Demokratie sind.
Auch die HMS nimmt den Tag zum Anlass, den Blick auf den Lokaljournalismus zu richten und Studierenden aus dem berufsbegleitenden Master „Digitaler Journalismus” vorzustellen, die die Zukunft des Lokaljournalismus aktiv mitgestalten. Dafür haben wir drei engagierte Lokaljournalist:innen nach ihrer Perspektive auf Lokaljournalismus und die Veränderungen der Branche gefragt:
Anika Würz, Redakteurin beim Hamburger Abendblatt
Redakteurin, Hamburger Abendblatt
Was bedeutet es für dich, im Lokaljournalismus zu arbeiten?
Nirgendwo bin ich näher dran an meiner Stadt, an meinen Mitmenschen und dem Zeitgeschehen als im Lokaljournalismus. Unerwartete Begegnungen, neue Perspektiven, und für den Spannungsfaktor auch herausfordernde Deadlines - hier ist jeder Tag ein Abenteuer im Nachrichtendschungel.
Warum arbeitest du gerne als Lokaljournalistin?
Wer über alle Maßen neugierig ist, für den ist ein Job in der Tagespresse ein Segen. Hier kann ich jeden Tag den kleinen und großen Fragen, die die Stadt bewegen, auf den Grund gehen. Und das Beste: Für mich gehen alle Türen auf. Meine Ansprechpartner finde ich im Rathaus oder auf der Bühne, bei Gericht und in der U-Bahn, auf Social Media oder in der JVA.
Welche Veränderungen nimmst du aktuell im Lokaljournalismus wahr?
Unsere Welt wird immer schneller - und der Lokaljournalismus dementsprechend auch. Wann die Zeitung gedruckt wird, ist heute nur noch zweitrangig, denn das Netz schläft nie. Und Apropos Netz: Mittlerweile muss ein Lokaljournalist natürlich nicht nur in Windeseile einen lesenswerten Aufmacher zustande bringen, sondern Fotos und Videos für „die Socials“ gleich mitliefern, bei Gelegenheit auch tickern oder Live-Aufsager machen.
Tim Rosenau, Redakteur bei der Nordwest Mediengruppe
Redakteur, Nordwest Mediengruppe
Was bedeutet es für dich, im Lokaljournalismus zu arbeiten?
Im Lokaljournalismus zu arbeiten, bedeutet für mich, immer zu wissen, was in meiner Region los ist und deshalb jederzeit ein spannendes Gesprächsthema zu haben.
Warum arbeitest du gerne als Lokaljournalist?
Ich arbeite gerne als Lokaljournalist, weil mich Menschen und ihre Geschichten faszinieren. Und nirgends ist man in diesem Beruf näher dran als in einer Lokalredaktion.
Welche Veränderungen nimmst du aktuell im Lokaljournalismus wahr?
Wir haben als Nutzer:innen Zugriff auf Nachrichten aus der ganzen Welt, was eine tolle Entwicklung ist. Gleichzeitig steigt aber auch wieder das Interesse daran, was direkt vor der Haustür passiert. Welt- und Dorfgeschehen können wunderbar koexistieren.
Anneke Wissmann, Volontärin beim WESER-KURIER
Volontärin, WESER-KURIER
Was bedeutet es für dich, im Lokaljournalismus zu arbeiten?
Lokaljournalismus bedeutet für mich, Kontakte aufzubauen, in den direkten Austausch mit den Menschen vor Ort zu gehen und vor allem eins: zuzuhören. Welche Themen bewegen die Menschen in Bremen, im Stadtteil, im Quartier? Für mich findet Lokaljournalismus nicht am Schreibtisch, sondern auf der Straße statt.
Warum arbeitest du gerne als Lokaljournalistin?
Menschen, Menschen, Menschen und ihre Geschichten. Kein Tag gleicht dem anderen, und jede Begegnung öffnet eine neue Perspektive.
Welche Veränderungen nimmst du aktuell im Lokaljournalismus wahr?
Journalist:innen sind auch nur Menschen. Ich habe den Eindruck, dass sich der klassische Lokaljournalismus immer mehr zu einem modernen Community-Journalismus entwickelt. Vieles spielt sich online ab – und doch wird der direkte Austausch vor Ort wichtiger. Es braucht Räume, in denen Begegnung möglich ist. Die Menschen suchen diesen Austausch – manche mit uns als Journalist:innen, andere einfach mit uns als Menschen.
Der Lokaljournalismus als wichtiges Forschungsthema an der HMS
Die Veränderungen im Lokaljournalismus bilden für die HMS auch ein wichtiges Thema in der Forschung. So haben sich Dr. Christian Wellbrock, Leiter Innovation und Studium Digital- und Medienmanagement, und Sabrina Maaß, wissenschaftliche Mitarbeiterin, im Rahmen des Projekt „Wüstenradar“ intensiv mit der Verbreitung wirtschaftlich unabhängiger lokaler Tageszeitungen auseinandergesetzt. Die Pionierstudie zeigt, dass sich die Anzahl auf Landkreisebene für den Zeitraum 1992-2023 praktisch flächendeckend abgenommen hat. Die gute Nachricht: Richtige Zeitungswüsten haben sie nicht gefunden, aber mittlerweile ist fast jeder zweite Landkreis ein sogenannter „Einzeitungskreis“.
Mehr Informationen zur Studie und zu Handlungsimplikationen, wie eine vitale lokale Medienlandschaft erhalten bleiben kann, finden sich unter
https://www.wuestenradar.de/
Initiiert wird der Tag des Lokaljournalismus von IPPEN.MEDIA gemeinsam mit DRIVE, einer Initiative von 30 regionalen Zeitungsverlagen, koordiniert von dpa und Highberg/Schickler.