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JOURNALISM INNOVATORS PROGRAM

„Das JIP war für mich der Booster für meine Innovationsarbeit“

von EVA LIMMER am 12.08.2022

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Eva Limmer ist beim Bayrischen Rundfunk in der Innovationsabteilung und treibt die digitale Transformation und neue digitale Produkte voran. Sie leitet die Redaktion des YouTube-Kanals „Lohnt sich das?“, mit dem der BR neue Zielgruppen im Digitalen erreicht. Eva hat beim JIP viel Inspiration, aber insbesondere auch ein gefestigtes innovatives Mindset erhalten, das sie in ihrem Unternehmen weitergeben möchte. Im Interview erzählt sie auch von ihrem derzeitigen USA-Aufenthalt.

Eva Limmer, bei dir ist es gerade 8 Uhr morgens, bei mir 17 Uhr. Uns trennen mehr als 8000 Kilometer. Wo bist du gerade?
Eva Limmer: Ich lebe und arbeite für zwei Monate in Portland, Oregon in den USA und absolviere dort das Arthur-F.-Burns-Stipendium. Das ist ein Austauschprogramm amerikanischer, kanadischer und deutscher Journalist*innen. Amerikanische und kanadische Medienschaffende blicken in deutsche Redaktionen und andersherum. Ich habe mich für das Medienunternehmen 6amCity und deren Ableger „PDXTODAY“ entschieden. 6amCity macht Lokaljournalismus in Form von Newslettern, ein großes Ding in den USA, und wollen mit hyperlokalem Content Marktführer in diesem Bereich werden. Es ist ein superspannender Einblick in innovative Arbeit. Was das Unternehmen auszeichnet: Ziemlich flache Hierarchien und eine genau definierte Produktvorstellung und -strategie. Die Redaktion weiß, was sie machen möchte und was nicht. Nationale und Tages-Politik klammern sie beispielsweise aus, da dies vor allem noch Tageszeitungen hier übernehmen. „PDXtoday“ hat ein anderes Eigenverständnis: nämlich News aus und für die Portland-Community – konstruktiv und positiv. Und dieses klare Versprechen an sich selbst, ans Produkt und auch an die Nutzer*innen ist für mich extrem interessant. In einem Produktguide – den ich zum Start gekriegt habe – ist detailliert umrissen, was das Produkt ist, für was es steht und wie es aussehen soll.

Kennst du das von deiner Arbeit beim BR?

Eva: Tatsächlich ja. In unserer Redaktion bei „Lohnt sich das?“ haben wir uns auch die Zeit genommen, genau zu prüfen, wen wir ansprechen wollen. Wir haben nach den Menschen gesucht, die der Bayrische Rundfunk sonst nicht erreicht, wir schließen damit sozusagen eine Lücke. Unsere Zielgruppe sind die 25- bis 35-Jährigen – vorwiegend männlich, die sich stark für Finanzen und Geld interessieren, die Sicherheit in ihrem Leben und Beruf möchten, die sich auch stark mit anderen vergleichen. Genau diese Nische sprechen wir an – und das funktioniert gut. Daher kenne ich diesen Ansatz. Ich weiß aber auch, dass vor allem die Frage nach dem, was man nicht macht, in vielen Redaktionen in Deutschland nicht klar beantwortet wird. Der Erfolg von „6amCity“ zeigt aber, dass das Bedürfnis- und Produktversprechen extrem wichtig und hilfreich ist. Angefangen hat das Business mit einer Stadt, nach sechs Jahren beliefern sie 24 Städte.

Du bist JIP-Alumna, warst im ersten Durchgang Fellow an der HMS. Was nimmst du aus dem Programm mit?

Eva: Ich fand das JIP extrem inspirierend. Es war eine der besten Fortbildungen, die ich je besucht habe. Das Curriculum war absolut durchdacht und sinnvoll aufgebaut. Die Seminaren hatten einen wirklichen Mehrwert für meine Arbeit, sie haben mir einen theoretischen Unterbau gegeben. Ich mache Dinge nicht mehr nur aus dem Gefühl heraus, sondern habe durchs JIP quasi eine fundierte Handreichung bekommen, wie man Innovation nachhaltig in Organisationen denken sollte. Das betrifft vor allem Fragen zu Innovation, Produktentwicklung und zum Leadership. Ich habe gelernt, was Innovation wirklich bedeutet, aus dem Begriff ist etwas Handfestes geworden. Ich habe Antworten auf Fragen bekommen, die mich umtrieben – wie etwa: Wie wollen wir in Zukunft zusammenarbeiten? Wie können wir unsere Arbeit an eine immer schnellere Welt anpassen? Welches Mindset brauchen wir dafür? Mir hat das JIP beigebracht, beharrlich zu sein – auch in einem manchmal innovationsfeindlichen Umfeld. Kritisch mit dem eigenen Haus umgehen, zum Stachel werden im eigenen Unternehmen. Dinge vorantreiben, Stakeholder überzeugen. Dafür habe ich viel Knowhow erhalten, das mich wiederum motiviert hat. Das JIP war für mich sozusagen der Booster für die Innovationsarbeit im eigenen Haus.

Was gibst du künftigen Fellows mit auf den Weg?

Eva: Nutze alles, was geht! Natürlich sind die Seminare am Wochenende auch mal anstrengend, aber es lohnt sich – und das JIP dauert ja auch nur ein halbes Jahr. Das geht schnell rum. Nicht nur in den Seminaren, sondern auch in den individuellen Coachings und von den anderen Fellows kann man so viel lernen. Ich habe für mich und meine Arbeit sehr viel herausgezogen. Und das ist für viele Projekte, die ich noch anpacke, die absolute Raketenzündung. Das JIP lohnt sich für alle, die mit ihrem Unternehmen oder mit ihrem Projekt vorangehen wollen. Daher kann ich nur raten: Lernt von- und miteinander!