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DIGITALER JOURNALISMUS

DJ: 5 LEARNINGS… mit Arist von Harpe

von RONJA FRICK am 25.05.2021

Arist von Harpe

Unter dem Motto „In The Mean Time“ fand von Donnerstag bis Samstag die digitale re:publica 2021 statt und auch der Studiengang Digitaler Journalismus war mit einer Off Stage Action dabei! So interviewte DJ-Studentin Anna Paarmann (Lüneburger Landeszeitung) den Geschäftsführer und Verleger der Hamburger Morgenpost Arist von Harpe per Live-Stream zum Thema Digitalisierung im Lokaljournalismus 2021. Die wichtigsten Learnings aus Arist von Harpes Antworten haben wir für euch zusammengefasst!

1) Finanzierung optimieren

Workflows, aber auch die Nutzung von Ressourcen, können stetig optimiert werden, um Geld einzusparen oder mehr Gewinne zu erwirtschaften. So ist die MOPO beispielsweise gerade dabei, eine Plattform zu entwickeln, über die auch kleinere Kunden Digitalanzeigen schalten können, die nicht über die nötigen Tools verfügen. Neue Einnahmequellen sowie auch die Optimierung der vorhandenen sichern die Einnahmen einer Lokalzeitung.

2) Das Produkt anpassen, neue Standbeine finden

Das Produkt muss für die Zielgruppe funktionieren. So ist der MOPO zum Beispiel aufgefallen, dass sich die Sonntagsausgabe immer wesentlich schlechter verkauft hat als der Rest – einfach, weil die Käufer*innen ihre Sonntage eher zu Hause verbringen und auch einige Verkaufsstellen geschlossen sind. Daraufhin wurde eine umfangreichere, aber auch etwas teurere Wochenendausgabe entwickelt, die sich dann umso besser verkaufte, weil sie den Leser*innen einen größeren Mehrwert bot und besser verfügbar war.
Printprodukte haben, ähnlich wie Schallplatten, auch einen Liebhaberwert. Kaum jemand kauft sich eine CD für acht Euro, stattdessen werden die Songs lieber gestreamt oder eben die Schallplatte für 25 Euro gekauft. Auch eine gedruckte Zeitung im praktischen Format bietet doch einen gewissen Wert. Weiterhin ist ein umfangreiches Digitalangebot per App geplant, das den Medienkonsum nicht nur in der Usability einfach und übersichtlich macht, sondern auch immer aktuell ist. Außerdem können diverse nützliche Funktionen eingebunden werden.

3) Selbst produzieren

Der Lokalteil lässt sich erfolgreich stärken, indem die Redakteur*innen nach draußen gehen, sich vor Ort ein Bild machen und dann berichten, anstatt dass sie nur dpa-Meldungen reproduzieren. Vor allem der Kulturteil bietet (zumindest nach Corona) einen echten Mehrwert, aber auch Überregionales wie Politik oder Panorama wird wieder selbst produziert, was zuvor vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) angeliefert wurde, weil die Redakteur*innen selbst besser wissen, was zur MOPO-Marke am besten passt. Denn gut recherchierte Tipps zu Veranstaltungen mit herausragenden Newcomern oder Nischenthemen sind enorm hilfreich. Die MOPO hat darum ihr altes Format MOPOP wieder ins Leben zurückgerufen. Hyperlokale Themen spielen ebenfalls eine große Rolle, auch wenn diese bei einer großen Stadt wie Hamburg dann unter Umständen besser im Stadtteiljournalismus aufgehoben sind, da es Leser*innen im Westen von Hamburg vielleicht weniger interessiert, was gerade in Bergedorf los ist und umgekehrt.

4) Journalismus auf Augenhöhe betreiben

Nicht nur der Austausch mit dem Publikum ist mit der Digitalisierung immer einfacher geworden, auch die Berichterstattung, zum Beispiel über lokale Politiker, ist um einiges direkter. Während Redakteur*innen beispielsweise bei einem Bericht über Elon Musk doch recht weit weg vom Sujet sind, können sie lokale Persönlichkeiten einfach treffen oder ihnen zufällig auf Veranstaltungen begegnen und sind somit einfach näher dran.

5) Das Rad muss nicht immer komplett neu erfunden werden

Guter Journalismus bleibt guter Journalismus. Service bieten, verschiedene Sichtweisen aufzeigen und auf den relevanten Kanälen verfügbar sein, ist essenziell – das Ganze muss sich aber eben auch wirtschaftlich tragen. Gerade in der Corona-Zeit sind lokale Themen sowie eine lokale Sicht auf diese immer wichtiger geworden. Globale Themen sollten zwar nicht in den Hintergrund treten, aber Lokaljournalismus bleibt nach wie vor relevant.