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BUNTE KISTE

Film-Alumnus Johannes Kaczmarczyk über nachhaltige Filmproduktion

von FARAH FOROOTAN am 05.05.2021

Johannes Pineroot

Johannes Kaczmarczyk hat 2016 seinen Master im Studiengang Film mit dem Schwerpunkt "Kamera/Bildgestaltung" abgeschlossen. Heute hat er eine eigene Filmagentur mit seinem Geschäftspartner Vanouch Balian. Was PINEROOT so besonders macht, erzählt er uns im Interview.


Lieber Johannes, magst du dich und deinen Werdegang einmal vorstellen?

Ja, gerne. Ich bin Johannes Kaczmarczyk, DoP, Filmproduzent und Gründer der nachhaltigen Filmagentur Pineroot. Bereits als junger Mensch habe ich mich für das Reisen und neue unbekannte Welten begeistert. Mir war es immer ein Anliegen diese Geschichten mit Film und Foto festzuhalten, um sie so anderen Menschen zu zeigen, die selbst nicht vor Ort mit dabei sein konnten. Während meines Zivildienstes in einer sozialen Einrichtung für Suchtkranke in Köln begleitete ich die Bewohner*innen mit meiner Kamera. Schnell zeigte sich, dass mich besonders sozial-gesellschaftliche Fragestellungen interessieren. Es entstand in mir der Wunsch, Kameramann zu werden. Ich absolvierte diverse Praktika in der Filmbranche, gefolgt von Bachelor- und Masterstudium an Filmhochschulen in Berlin, Zürich sowie der Hamburg Media School. Mein Abschlussfilm WE TAKE YOU war 2017 für den Studentenwettbewerb des renommierten Camerimage-Festivals nominiert.

Seit Ende meines Master-Studiums arbeite ich freiberuflich als Kameramann und Filmproduzent für Werbe-, Dokumentar- und Spielfilme. Den Fokus meiner Kameraarbeit setze ich vor allem auf Filme mit sozial-gesellschaftlichen Bezug, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Hierzu gründete ich Anfang 2020 mit Regisseur Vanouch Balian die nachhaltige Filmagentur Pineroot.

Wie kam es zu der Gründung von PINEROOT?

Die ersten Überlegungen eine Filmproduktion zu gründen, die nachhaltig arbeitet und die Nachhaltigkeitsbranche unterstützt, hatte ich schon vor mehreren Jahren. Damals war Nachhaltigkeit noch nicht so ein Thema wie jetzt seit der immer intensiver werdenden Klimakrise und der damit verbundenen Friday’s for Future-Bewegung. Beeinflusst war mein Vorhaben, eine eigene nachhaltige Filmproduktion zu gründen, auch durch mein Masterstudium an der Hamburg Media School. Hier wurden wir als Studierende angehalten, die Filme nach den Richtlinien des „Grünen Drehpasses“ zu produzieren.

Vanouch und ich haben uns Anfang 2019 kennengelernt und im selben Jahr gemeinsam einen Werbefilm umgesetzt. Es folgte ein weiterer Werbefilm für Forest Finance und ein Kampagnenfilm für die Deutsche Umweltstiftung. Glücklicherweise ließ sich Vanouch für die Idee von Pineroot begeistern. Mit seinen Schwerpunkten auf Konzeption und Regie ergänzt er wunderbar meine eigenen Stärken.

Was ist euch besonders wichtig?

Mit unserem Wissen und unserer Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeit, Film und Werbung unterstützen wir nachhaltige Unternehmen und Organisationen, die sich bewusst für Umwelt, ökologisches Wirtschaften und Gemeinwohl einsetzen. Dabei helfen wir, Produkte, Dienstleistungen und Marken bekannter zu machen, am Markt zu positionieren und nachhaltige Botschaften zu verbreiten. Das tun wir durch die Konzeption, Produktion und Vermarktung von Bewegtbildinhalten wie z. B. Branded Content, Filmportraits oder klassischen Werbe- und Dokumentarfilmen. Für uns haben Authentizität, Fairness und Ehrlichkeit einen sehr hohen Stellenwert und wir möchten mit Menschen zusammenarbeiten, die wie wir Positives mit ihrer Arbeit bewirken möchten. Daher arbeiten wir exklusiv mit Unternehmen zusammen, die unsere Grundsätze, Werte und Mission in Bezug auf Nachhaltigkeit teilen. Dafür haben wir einen Kriterienkatalog entwickelt, der sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO (SDG – „Sustainable Development Goals“) orientiert.

Was ist eure Vision?

Unsere Vision mit Pineroot ist es, den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit maßgeblich zu unterstützen. Die meisten von uns sind ja auf der Suche nach dem, was zu ihnen passt und ihrem Tun Sinn und Bedeutung gibt: Ich persönlich sehe mich an der Stelle als Brückenbauer für nachhaltige Unternehmen und Organisationen und möchte sie dabei unterstützen, ihre universelle Botschaft in die Welt zu tragen. Ich möchte dieser Vision folgen und mein Handeln und alle beruflichen und persönlichen Entscheidungen in den Dienst dieser Vision stellen.

Wenn wir unseren Lebensraum ernsthaft erhalten wollen, muss jeder einzelne von uns Schritte zu mehr Nachhaltigkeit aktiv und selbstbewusst vorwärts gehen. Dabei können wir alle mithelfen und mit ganz kleinen Dingen beginnen wie z. B. durch die Eröffnung eines Bankkontos bei einer nachhaltigen Bank oder durch die Wahl eines Öko-Stromtarifs. Wir können nicht darauf warten, bis die Politik wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel beschließt, wir müssen selbst aktiv werden. Glücklicherweise gibt es bereits viele Unternehmen und Organisationen, die hier wichtige Pionierarbeit leisten, hin zu einer nachhaltigeren Welt. Diese Unternehmen möchten wir als Pineroot dabei unterstützen, ihre Botschaft nach außen zu tragen. Dies gibt unserer Arbeit einen übergeordneten Sinn. Unser Wunsch und Ziel wäre es, dass nachhaltige Handlungsweisen in allen Bereichen des täglichen Lebens Einzug halten, sei es beruflich oder privat. Und dass wir in einigen Jahren ein auf Nachhaltigkeit basiertes Verhalten als Norm ansehen.

Wie produziert ihr bei Pineroot nachhaltig?

In allen Produktionsschritten legen wir großen Wert auf eine nachhaltige Arbeitsweise. Wir beziehen zertifizierten Ökostrom, vermeiden Papierausdrucke, benutzen zur Fortbewegung ÖPNV, Fahrrad, Lastenfahrräder oder, wenn es nicht anders geht, Elektroautos. Wir vermeiden Müll und überflüssige Verpackungen und auch beim Catering achten wir auf einen Bezug aus der Region und Bioqualität. Unsere gesamte Buchhaltung erfolgt digital. Die Webseite und Cloud von Pineroot liegt z. B. auf einem Webserver, der zu 100 Prozent aus ökologischer Energie betrieben wird. Da der Server in Deutschland steht, fällt er unter die strengeren Datenschutz- und Sicherheitsgesetze der EU. Das Geschäftskonto des Unternehmens ist bei der nachhaltigen GLS-Bank angelegt. Den CO2-Fußabdruck einer Filmproduktion komplett zu kompensieren, ist für uns zudem Selbstverständlichkeit. In Zusammenarbeit mit unseren Dienstleistern und Mitarbeiter*innen ist eine faire Bezahlung und ein rücksichtsvoller Umgang unsere Basis für ein harmonisches Miteinander.

Wie hat dich dein Studium an der HMS auf deine jetzige Tätigkeit vorbereitet?

Das Studium an der HMS hat mich vor allem fachlich für die Arbeit als Kameramann vorangebracht, was mir für die Produktion unserer eigenen Filme maßgeblich weiterhilft. An der HMS hatte ich das Privileg von zahlreichen Profis aus der Filmbranche an professioneller Filmtechnik zu lernen, nicht zuletzt von der damaligen Bereichsleiterin Judith Kaufmann und dem Bereichsleiter Achim Poulheim. Zudem hat mich das Studium in meiner Persönlichkeit gestärkt. Es hat mich gelehrt, knifflige Situationen durchzustehen, an meine Fähigkeiten und an den Film und seine Geschichte zu glauben. Als tendenziell hochsensible Persönlichkeit fiel mir das anfangs nicht immer leicht. So seltsam es auch klingt, da haben mir die Herausforderungen im Studium zu mehr Gelassenheit verholfen. Und das zahlt sich jetzt aus: Obwohl wir mit Pineroot immer größere Filmproduktionen umsetzen, gehe ich mittlerweile viel entspannter an die Projekte ran.

Weitere Infos über Pineroot findet ihr auf der Website.