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DIGITAL- UND MEDIENMANAGEMENT

Was steckt hinter Deutschlands erfolgreichsten Frauenzeitschriften?

von ANTONIA WOLFRAM am 03.07.2020

Die Medienmanager*innen der HMS erhielten einen Einblick in das Konzept von bella, tina, laura, Meins und Alles für die Frau aus dem Hause des Bauer Verlags.

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Die Chefredakteurin Sabine Ingwersen und ihr Stellvertreter Markus Dietsch im Video- Call aus dem Bauer Verlag in Hamburg.

Die Frau hinter den fünf beliebten Zeitschriften ist die Chefredakteurin Sabine Ingwersen. Sie gewann zuletzt den goldenen Lead-Award in der Kategorie Magazin Popular. Ihre Medienreise begann mit 25 Jahren an der Axel Springer Journalisten-Schule. Danach nahm die Reise Fahrt auf: Anfang der 90er Jahre schrieb sie für die Berliner Zeitung im umkämpften Tageszeitungs-Printmarkt. Es folgten weitere Stationen wie etwa bei der BILD als Redakteurin und Ressortleiterin und bei Gruner + Jahr in der Chefredaktion von FRAU IM SPIEGEL.

Wir fragten nach, wie sich das Management von fünf Blättern gleichzeitig gestaltet? Und wodurch unterscheiden sich eigentlich die fünf Frauenzeitschriften? Auf den ersten Blick erscheint uns ein einheitlicher roter Faden aus Diät-Tipps, Rezepte, Haustier-Content, Reisen und Beauty.

„Unsere Leserinnen sind fleißige Frauen, die die beste Unterhaltung verdienen“.

Man schmunzelt, wenn Ingwersen von ihren Magazintiteln und deren Leserinnenschaft spricht. Das auflagenstärkste Blatt, tina, mit über 300.000 Auflagen wöchentlich, verkörpere die typische Mitte der Frauen aus „normalem gut-bürgerlichem“ Haushalt, die gerne Cappuccino trinkt. Die eher hedonistischen bella-Leserinnen seien bekannt für ihr Gesundheitsbewusstsein, deshalb trinken sie Smoothie. Mit Laura erreiche man Frauen ab 30, die sich gerne einen Prosecco gönnen. Mit Meins trifft man jene Leserinnen mit 50+, die einen Mann besäßen, der jedoch keine wichtige Rolle für sie spiele, da sie mit Reisen und Kaffee-Treffen beschäftigt seien. Diese Frauen bestellen sich den sinnbildlichen karibischen Cocktail. Für welchen Drink entscheidet sich dann eine Alles für die Frau- Leserin, wenn der Cocktail bereits vergeben ist? Denn hier fände man wöchentlich die besten Geschichten aus der Content-Sammlung Bauers. Das Beste vom Besten gemischt ergibt: Mezzo-Mix.

Die Redaktion umfasst aktuell 56 Personen. Wie gelingt es, mit einem 56-köpfigen Team so viele Seiten zu füllen? Die erste Antwort darauf sind sechs Expert*innen-Teams, die international verteilt sind und 70% des gesamten Contents produzieren. Zudem kommt die Mehrfachverwertung des Contents hinzu.

„Das Ziel ist es, Geschichten so zu sammeln, dass sie für mehrere Marken erzählt werden können.“

Noch dazu finanzieren sie sich zu 70% über den Vertrieb, während sich andere Zeitschriften zu 70% über Anzeigen finanzieren. Das auflagenstärkste Blatt tina kostet aktuell 1,69€ und 96% der Zeitschriften gelangen über den Lebensmittelhandel zu ihren Käuferinnen.

„Wir wissen, dass jede zweite Frau in Deutschland ein Bauer-Produkt liest.“

Sabine Ingwersen betont während unseres Treffens die starke Orientierung an den Leserinnen selbst. Wir sind gespannt, wie sich die Frauenzeitschriften im Hinblick des Wandels der Frau selbst, in den nächsten Jahren entwickeln werden.

Wir bedanken uns für die interessanten Einblicke und wünschen Sabine Ingwersen und ihrem Team weiterhin viel Erfolg!