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WEITERBILDUNG / MEDIA INNOVATION PROGRAM

Fünf Fragen an... Barbara Wandrei

BW quer

Barbara Wandrei (48) ist Co-Founderin und Geschäftsführerin von Media4Planet, dem weltweit ersten Media-Modell zur Unterstützung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Im Jahr 2018 hat sie zudem mit 16 weiteren Medien-Experten die gemeinnützige Organisation Orange Ocean ins Leben gerufen, um - wie sie sagt - das "Plastik aus den Köpfen zu fischen" und aktiv zum Schutz der Weltmeere beizutragen. Die diplomierte Kommunikationswirtin (BAW) verfügt über eine langjährige Marketing- und Media-Expertise. Sie war zehn Jahre in unterschiedlichen Positionen bei der ProSiebenSat.1 Media SE tätig und leitete im Anschluss das Marketing eines eCommerce-Startup's in fünf Ländern.


Media4Planet ist keine gemeinnützige Organisation, sondern will Profite erwirtschaften und dabei Nachhaltigkeit und Klimaschutz fördern. Wie soll das funktionieren?
Das ist ganz einfach: indem wir den Großteil des Überschusses, den Media4Planet erwirtschaftet, dem Klimaschutz zugutekommen lassen. Dazu haben wir uns in unserer Satzung verpflichtet. Die Mittel fließen in die Reduktion und Kompensation von CO2. Unser Ziel ist es, die Kommunikationsbranche bis 2030 klimaneutral zu stellen. Jedes Jahr werden global um die 560 Milliarden US-Dollar für Werbung ausgegeben und über Media4Planet können Unternehmen ohne zusätzliche Manpower oder Know-how etwas Gutes für unseren Planeten tun – einfach indem sie werben. Wenn nur ein Prozent der Werbeinvestitionen über uns laufen würden, könnten wir gemeinsam enorm viel erreichen.

Laut Ihrer Webseite hat das Unternehmen das weltweit erste, nachhaltige Mediamodell entwickelt. Was beinhaltet das Modell?
Es funktioniert so: wir kaufen bei Medienunternehmen, die den Klimaschutz unterstützen wollen, Werbeflächen ein. Aktuell haben wir TV, Online, Zeitschriften sowie Außenwerbung im Portfolio. Werbetreibende Unternehmen, die ein nachhaltiges Produkt oder eine nachhaltige Dienstleistung bewerben wollen, akquirieren dieses Werbeinventar über Media4Planet. Mit der Marge, die wir somit erwirtschaften, reduzieren und kompensieren wir CO2, indem wir die Klimaschutzkampagne des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) finanzieren und zertifizierte Klimaschutzprojekte fördern, wie aktuell beispielsweise ein Wasserkraftwerk im Kongo. Das tun wir im Namen unserer Partner: die Medienhäuser weisen ihren Beitrag zur Klimaschutzkampagne in ihrem Nachhaltigkeitsbericht aus, die werbetreibenden Unternehmen wiederum die kompensierten Tonnen an CO2. Und durch eine spezielle Kennzeichnung der über uns gebuchten Werbemittel erfährt der Konsument bereits während der Kampagne vom Engagement des Unternehmens.

Welche Medienpartner*innen sind bereits dabei? Wie sieht die konkrete Zusammenarbeit aus?
Mit an Bord sind ProSiebenSat.1, Hubert Burda Media, Ströer Media, Goldbach Media und Verizon Media. Somit decken wir nahezu alle Mediengattungen ab. Diese Unternehmen unterstützen den Klimaschutz, indem sie uns attraktive Einkaufskonditionen gewähren. Desweiteren stellen sie freie Flächen in ihren Medien für die Schaltung der Klimaschutz-Kampagne der UNEP bereit. Wenn es zu einem Auftrag kommt, erfolgt die Aussteuerung der Kampagne direkt zwischen dem Medienhaus und unserem Kunden bzw. dessen Mediaagentur.

Wenn Sie sich in der Medienbranche umschauen: Welche Rollen spielen dort bislang Nachhaltigkeit und der Schutz des Klimas?
Nachhaltiges Handeln ist mittlerweile keine Kür mehr, sondern hat auch wirtschaftliche Aspekte, denn es spielt für Geschäftspartner, Investoren, Mitarbeiter und Konsumenten eine zunehmende Rolle. Ich würde es so einschätzen: alle haben sich auf den Weg gemacht und wenn der erste Schritt getan ist, nämlich die durch das Unternehmen selbst verursachten Emissionen unter die Lupe zu nehmen und zu reduzieren, werden auch Geschäftspartner wie zuliefernde Unternehmen oder Produktionsfirmen genauer beleuchtet. Dennoch merken auch wir, dass im Tagesgeschäft nicht jedem der Kopf nach Klimaschutz steht. Mehr Mut und Entschlossenheit aller Verantwortlichen wäre schön. Wir haben einfach keine Zeit mehr zu verlieren.

Wo sollten bzw. könnten Medienschaffende und Journalist*innen zukünftig noch ansetzen?
Ich sehe zwei Herausforderungen. Zum einen die Aufklärungsarbeit zum Thema Klimakrise, denn es gibt noch immer zu viele Personen, die nicht glauben, dass der Klimawandel durch Menschen verursacht wird. Zum anderen müssen wir die Menschen dazu motivieren, ins Handeln zu kommen. Genau da setzen wir mit der Klimaschutz-Kampagne an. Der Mensch an sich ist bequem und Gewohnheiten sind schwer zu durchbrechen, das kennen die meisten auch von sich selbst. Neben der Aufklärung zur Dringlichkeit der Lage sollten wir die Vorteile eines gesunden Planeten herausstellen und konkrete Hilfestellung leisten, was jeder einzelne beitragen kann. Das fängt bei kleinen Veränderungen an, die aber eine große Wirkung entfalten, wenn viele Menschen mitmachen. Glücklicherweise bestimmt das Thema Nachhaltigkeit wieder zunehmend die mediale Berichterstattung und wir wissen, dass die Verbraucher trotz Corona einen höheren Augenmerk auf das Thema legen und wachsende Ansprüche an die Unternehmen stellen. Der Kommunikationsbranche kommt dabei eine besondere Verantwortung zu, denn sie erreicht viele Millionen Menschen und genießt eine hohe Glaubwürdigkeit. Dass Medien und Kommunikation die Massen bewegen können, ist unbestritten. Dieses Potenzial sollten wir für unser aller Zukunft freisetzen.