HMS - BLOG

DIGITAL JOURNALISM FELLOWSHIP

Fünf Fragen an... Daniel Fiene

von ANJA KOLLRUSS am 04.12.2020

DJF Daniel Fiene gross

Daniel Fiene ist Leiter redaktionelle Digitalstrategie und Head of Audience Development bei Media Pioneer. Zusammen mit Herrn Pähler und Dennis Horn moderiert Fiene bis vor Kurzem das wöchentliche Medienmagazin "Was mit Medien" bei DRadioWissen. Seine Schwerpunkte sind Medienwandel, Social Media und Medienjournalismus. Er ist außerdem Mitglied der Jury des Grimme Online Awards und der Jury für die Journalisten des Jahres des MediumMagazins. Mit Dennis Horn betreibt er das Büro "fiene,horn" zur Konzeption und Realisation von Webprojekten. Er doziert im Bereich der journalistischen Weiterbildung, u. a. auch im Studiengang "Digital Journalism" (EMAJ) an der Hamburg Media School.


Du hast angekündigt, deine Festanstellung bei Gabor Steingarts Media Pioneer zum Ende des Jahres aufzugeben und stattdessen deinen Podcast „Was mit Medien“ zum Start-up auszubauen. Wie lange hast du diese Idee schon mit dir herum getragen? Was hat dich schließlich bewogen, diesen Schritt in die Realität zu wagen?
Los ging es mit einem Rausschmiss. Seit 2012 lief "Was mit Medien" bei Deutschlandfunk Nova, aber Mitte August hatten wir unseren Sendeplatz verloren. Die erste Folge des Podcasts lief während unserer Uni-Zeit 2004 und wir haben dann überlegt: War es das? Herr Pähler, Dennis Horn und ich hatten im Gefühl, dass die weitere Begleitung des Medienwandels aber immer wichtiger wird. Unsere Geschichte fühlte sich noch nicht auserzählt an. Im Gegenteil. Also wollten wir versuchen, auf eigene Faust den Podcast zu produzieren. Dazu haben wir im September eine Supporter-Kampagne mit unserer Hörerschaft gestartet. In diesem Monat gab es ein großes Echo: Es haben sich nicht nur viele als Supporter*in angemeldet, es haben sich auch viele andere Medien mit Projekt-Ideen gemeldet. Die Ideen fanden wir so gut, dass wir sie unbedingt umsetzen möchten. Aber das geht dann nicht mehr nebenbei. Das war für mich die Chance etwas richtig eigenes auf die Beine zu stellen - genug Gründergeist konnte ich ja in diesem Jahr auf der Pioneer One tanken.

Gemeinsam mit deinen Kompagnons planst du ein Medien-Start-up. Was habt ihr genau vor?
Wir werden der Begleiter für alle Kolleg*innen, die den Medienwandel gestalten. In unserer Hörerumfrage im September haben wir herausgefunden, dass viele sich in ihrer Redaktion auf verlorenen Posten fühlen und ständige Grundsatzdebatten satt sind. Sie wünschen sich auch einen praktischen Austausch, der inspiriert und andere Perspektiven bietet. Auf der anderen Seite ist es gar nicht so einfach, mit all den Medienwandel-Themen neben dem eigenen stressigen Berufsalltag auf dem Laufenden zu bleiben. Hier setzen wir an: Im Podcast gibt es weiter gut kuratierte und praktische Einblicke in Medienwandel-Themen, wir bieten Meet-ups und Webinare als Ort des praktischen Austauschs und wir beraten und unterstützen auch andere Redaktionen und Medien, die keine eigene Innovations- oder Audience-Engagement-Abteilungen haben oder sonst wie Unterstützung benötigen.

Was sind die wichtigsten Entwicklungen und Trends, die ihr mit eurem Projekt zukünftig abbilden wollt? Sind auch Herzensthemen dabei, denen ihr euch in euren bisherigen Jobs nicht widmen konntet?
Das schöne ist ja, dass wir bisher unsere Herzensthemen nicht nur in den Hauptjobs, sondern auch nebenher in "Was mit Medien" abbilden konnten. Bisher war jede Folge des Podcasts auch eine Fortbildung für uns. Jetzt können wir endlich auch genau das anwenden und ausprobieren, was wir in den letzten Jahren immer thematisiert haben. Ein Trend auf den wir setzen, wird "Blended Learning" sein. Wir wollen Medienschaffende aus den unterschiedlichsten Bereichen mit ähnlichen Interessen, Projekt- oder Lernzielen zusammenbringen und ihnen einen geschützten Raum für Austausch bieten. Interessanterweise haben uns schon oft Vertreter*innen aus der Tech-Branche gespiegelt, dass sie sich wundern, wie wenig Medienhäuser sich untereinander austauschen. Das wollen wir ändern.

Mal ganz abgesehen von der Corona-Pandemie – die Gründung eines Start-ups in der Medienbranche klingt auch nach Risiko. Wie wollt ihr euch zu Beginn finanzieren? Wie sieht euer Geschäftsmodell langfristig aus?
Da bin ich ganz ehrlich, die Entscheidung ein Start-up zu gründen und meinen unbefristeten Vertrag aufzugeben, hat auch eine Förderung mit beeinflusst: Parallel zur Supporter-Kampagne haben wir uns beim Fellowship des Media Lab Bayerns beworben und haben es nach einem Auswahlprozess, Bootcamp und Jury-Vorsprechen in die Riege von zehn Start-ups geschafft, die eine Förderung erhalten - bestehend aus Workshops zum Thema Gründen und eben auch finanziellen Mitteln. Das macht uns in den ersten Monaten den Kopf frei. Langfristig glaube ich, dass journalistische Unabhängigkeit auch durch ein möglichst diversen Einnahmemix kommt. Wir setzen also nicht nur auf unsere Supporter*innen, sondern auch auf Werbung und unsere Community-Events. Dazu kommt Content-Syndizierung - für einige Medien werden wir unsere Inhalte speziell für ihre Bedürfnisse aufbereiten. Oder eben durch Beratung und das Anfertigen von internen Briefings.

Unabhängiger Journalismus boomt derzeit in den USA. Was kannst du Journalist*innen hierzulande raten, die auch mit dem Gedanken spielen, eigene Formate zu entwickeln?
Drei Tipps fallen mir ein. Erstens: Nicht alles perfekt planen, sondern erst einmal klein starten und dann viel mit der Nutzerschaft sprechen. Das Feedback ist sehr wertvoll und hilft bei der Verfeinerung. Wir wären jetzt noch nicht so weit, wenn wir alles selber am Anfang komplett zu Ende geplant hätten. Zweitens: sich mit anderen austauschen. Das hilft extrem. Drittens: sich nicht nur auf einen Ausspielweg, eine Einnahmequelle und eine Plattform konzentrieren. Beim Wahl des Newsletter-Anbieters oder Podcast-Hosters würde ich extrem darauf achten, ob ich auch jederzeit mit meinen kompletten Daten (z.B. Memberdaten) weg- und umziehen kann.