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PRAXIS / PRAXISPROJEKTE

Im Gespräch mit nextMedia-Leiterin Nina Klaß

von ANDREAS WREDE am 08.06.2020

Mit nextMedia.Hamburg haben wir im Digital- und Medienmanagement schon des Öfteren zu tun gehabt. Kein Wunder: immerhin ist nextMedia die Standortinitiative für die Hamburger Digital- und Medienszene. Nina Klaß, 34, ist die Leiterin von nextMedia, die sich unter dem Dach der Kreativ Gesellschaft in der Hafen City finden lässt.

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Nina hat zunächst Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt E- Business in Lüneburg studiert, bevor sie dann ihren Master an der Universität Hamburg gemacht hat. Schon während ihrer Studien hat sie sich mit Innovationsmanagement und dem Management von Ökosystemen auseinandergesetzt. „Ich habe mich schon früh damit beschäftigt wie Unternehmen ökonomisch nachhaltig und im Netzwerk mit branchenfremden Akteuren innovieren“, sagt sie im Gespräch mit dem HMS-Blog. Nachdem sie ihren Master in der Tasche hatte, ging es sogleich ins Berufsleben. Es galt keine Zeit zu verlieren und Joberfahrungen zu sammeln.

Genauer gesagt ging es in Richtung Spiegel-Verlag. Dort wurde sie Projektmanagerin und später Leiterin der digitalen Produktmarketing- und Sales Themen sowie Ansprechpartnerin für Tech-Kooperationen. „Ich habe viele Digitalisierungs- und Neugeschäftsprojekte mit Partnern wie Microsoft oder Google für die Produkte vom Spiegel oder auch dem Manager Magazin umgesetzt“, erinnert sie sich gern an diese Zeit zurück. Zumal „wir damals nicht nur Produkte sondern auch zunächst viele Prozesse mit digitalisiert haben.“

Ebenfalls hat sie an der internen Innovations-Analyse des Spiegel mitgewirkt um verloren geglaubtes Terrain bei der notwendigen Digitalisierung des Verlages zurück zu gewinnen. Vorbild war seinerzeit der „Innovation Report“ der New York Times (2014), der etliche hausinterne Defizite selbstkritisch identifizierte und der NYT einen enormen Innovationsschub verpasste. Der Prozess hat sich damals gelohnt, denn „daraus ist z.B. das heutige Innovationsmanagement und das Produktdenken der Spiegel-Gruppe entstanden.“

„An die Universität bin ich dann zurück, um für offene Herausforderungen der Branche wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für die Zukunft zu erarbeiten und das Wissen in der Lehre mit jungen Talenten zu teilen und weiter zu denken.“ Sodann ging es wieder zurück ins nichtakademische Leben als Leiterin von nextMedia. „2018 habe ich mit meinem Team begonnen das Innovationsökosystem für Hamburg mit neuartigen Innovationsprogrammen und einer „Open Innovation“-Denkweise auf- und auszubauen. Die Ergebnisse die wir seitdem mit unseren Partnern erarbeitet haben, machen wirklich Spaß“, konstatiert Nina Klaß. Schließlich ist Hamburg eine bedeutende Medien- und Digitalmetropole „mit viel Potential für zukunftsweisende Projekte, Produkte und Unternehmen“, stellt sie fest.

Hinzukommt: nextMedia.Hamburg ist das europaweit größte und diverseste Netzwerk dieser Art. Kernaufgabe ist die Förderung und Unterstützung neuer, zukunftsfähiger Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Content und Technologie. Der Fokus liegt auf Innovationen, die sich aus der Digitalisierung und der damit verbundenen Konvergenz der Medienmärkte ergeben (z.B. aus Presse und Rundfunk, Werbung, Musik, Games, Film, Buch und Software). Dafür entwickelt nextMedia regelmäßig neue Programme.

Inzwischen bietet nextMedia verschiedene Programme an, wie etwa den Inkubator MEDIA LIFT, das Prototyping Lab oder Content Foresight. „Unser Media Lift ist ein Inkubator, in dem Teams vier intensive Monate lang ihre Start-up-Ideen verfolgen können, um sie am Ende der Öffentlichkeit zu präsentieren“. Daraus sind bereits erfolgreiche Gründerinnen und Gründer hervorgegangen – wie etwa Vera Strauch, Kopf der Female Leadership Academy.

Aber natürlich wollen Nina Klaß und ihre Kolleginnen und Kollegen mehr. Gemeinsam mit Partnern aus der Medien- und Digitalwirtschaft, mit Start-ups, Institutionen, Hochschulen, mit individuellen Medienmacher*innen und Innovationstreiber*innen wollen sie immer wieder neue, netzwerkgetriebene Lösungen für eine digitale Zukunft erarbeiten. Dabei spielt der Begriff „Open Innovation eine besondere Rolle“, betont Nina Klaß. „Es ist immer wieder aufs Neue bemerkenswert, unterschiedliche Unternehmen miteinander zu verknüpfen, um dann im Verbund Innovationen zu entwickeln.“ So entstehen neue Geschäftsmodelle, ungewöhnliche Teamkonstellationen und Synergien, „die man vorher noch gar nicht im Blick hatte.“

Innerhalb der rund vierzig Köpfe umfassenden Kreativ-Gesellschaft der Stadt Hamburg können die sechs nextMedia-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „relativ autonom arbeiten, aber natürlich nutzen wir die zahlreichen Synergien vor allem im Zusammenhang mit unseren Innovationsprogrammen“, erklärt Nina Klaß. Und – Corona hin oder her – „gerade jetzt tun sich neue Geschäftsfelder mit diversifizierten Finanzierungsmöglichkeiten auf“, weiß sie wie auch um die neuen Herausforderungen, die sich aus der Viren-Krise notgedrungen ergeben.

„Die Digitalisierung hat sich in den vergangenen Monaten um ein Vielfaches dynamisiert. Fast Mover sind klar im Vorteil und niemand sollte sich unterkriegen lassen“, appelliert Nina Klaß, „auch wenn jetzt in manchen Teilbranchen Durststrecken vor uns liegen können, profitieren andere, wie Games oder Streaming. Wichtig ist, dass kreative, wertvolle Inhalte nicht einfach kostenlos zur Verfügung gestellt werden, wo vorher Einnahmen geflossen sind.“ Mit ihrem Programm „Fast Mover“ unterstützt nextMedia daher insbesondere Teams, die jetzt das Beste aus der Situation machen. Nun startet die zweite Runde „Fast Mover“ zum Thema PAID Content, bei dem nextMedia vier Teams, die jetzt neue Erlösmodelle oder Finanzierungsstrategien testen wollen, mit jeweils 3.000€ unterstützt.

Bei nextMedia stellen sie sich darauf ein, weitere „digitale Formate zu entwerfen“. Auch das nächste Prototyping Lab ist für den Herbst schon in Planung. Wie schon Ende letzten/Anfang dieses Jahres können dann auch wieder einige Studierende der Hamburg Media School in Teams mit Kommilitonen der Universität, der HAW und der FH Wedel spezifische Themen etwa aus dem KI- oder Data-Sektor in anwendungsorientierten, konkreten Projekten bearbeiten. Das werden sie dann mit tatkräftiger Unterstützung von Nina Klaß‘ Kollegin Cigdem Aker machen können. „Und bis dahin wird man sich ja hoffentlich auch wieder und wieder öfter persönlich begegnen“, freut sich Nina Klaß.

Das letzte Prototyping Lab aus Sicht der HMS-Studierenden wird in diesem Blogartikel beschrieben. Lesenswert ist zudem die Broschüre „Hamburg – City of Content“, das Ergebnis eines Praxisprojektes von nextMedia und Studierenden des Studiengangs Digital- und Medienmanagement.

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