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Interview mit Louis Klamroth

von KRISTINA KABA am 28.10.2021

Louis klamroth

Mit der „Bundestagswahl Show“ holte Louis Klamroth die deutsche Politik auf die große Bühne in die Primetime von ProSieben. Mit seiner Produktionsfirma K2H produziert er nicht nur politische Formate für das private Fernsehen, sondern auch immer wieder für öffentlich-rechtliche Sender, wie z.B. „Für & Wider – Die ZDF-Wahlduelle“. Darüber hinaus ist K2H an der Produktion des erfolgreichen Podcasts „CUI BONO – WTF happened to Ken Jebsen“ beteiligt. Nun, einige Wochen nach der Bundestagswahl, zieht Klamroth Bilanz und erzählt uns im JIP: Interview, welche neuen Projekt bei ihm anstehen und warum es ein Glücksfall für seine Sendung war, dass Armin Laschet abgesagt hat.

Polit-Talk bei ProSieben im Format einer „Bundestagswahl Show“ – in einem Interview sprichst Du davon, dass das Format ein Experiment sei, ist das Konzept rückblickend aufgegangen oder hattet ihr euch andere Ziele gesetzt?
Auf ProSieben um 20:15 Uhr die breite Masse abzuholen und dabei nicht oberflächlich zu werden, war ein wahnsinniger Spagat. Ich finde aber, der ist uns gut gelungen und auch die Quoten haben überzeugt. Unser Glück war auch, dass Laschet abgesagt hat. So wurden mein Team und ich gezwungen, die Sendezeit anders zu nutzen und noch mal extra kreativ zu werden. Die Show war dann noch einmal ganz anders und auch sehr besonders. Auf die dritte Bundestagswahl-Show bin ich besonders stolz. Wir haben die Bühne den Bürger*innen und ihren Themen überlassen. Die zwölf Spitzenpolitiker*innen die zu Gast waren, mussten im Publikum platznehmen und zunächst einmal zuhören. Das hat für berührende und sehr erhellende Momente gesorgt.

In einigen Formaten rund um die Bundestagswahl, standen in diesem Jahr vermehrt die Bürger*innen im Fokus und wurden – teilweise recht plakativ – mit in Sendungsabläufe und Interviewsituationen eingebunden. Doch „nur“ weil ein*e Bürger*in die Frage stellt, spiegelt sich darin nicht automatisch ein gesellschaftliches Wissensbedürfnis wider. Mit welcher Erfahrung seid ihr aus der Produktion der „Bundestagswahl Show“ gegangen? Nach welchen Kriterien habt ihr die Themen und Speaker*innen ausgewählt?

Uns war wichtig: Bürger*innen dürfen nicht als bloße Stichwortgeber*innen fungieren, um in einen von uns vorgedachten redaktionellen Ablauf zu passen. Vielmehr müssen Bürger*innen Impulsgeber sein, um Themen zu platzieren, die sonst nicht die große Bühne bekommen. In unserer dritten Sendung haben wir gezielt nach Bürger*innen gesucht, die Themen mitbringen, die im Wahlkampf sonst keine Rolle gespielt haben. Mit dem Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit haben wir es dann geschafft, in der Primetime ein Thema zu setzen, das vorher nicht auf der Agenda war.

Ihr produziert sowohl für das private Fernsehen, als auch für öffentlich-rechtliche Sender: Mit welchen Herausforderungen seht ihr euch konfrontiert? Inwiefern muss ein Konzept für einen privaten Sender anders gedacht werden, als für das öffentlich-rechtliche Fernsehen?

Wir produzieren mit der gleichen journalistischen Sorgfalt, egal ob für die Öffis oder die Privaten. Natürlich konzipieren wir unsere Formate gezielt für bestimmte Zielgruppen – aber da machen sich die Unterschiede eher an Sendeplätzen oder Plattformnutzung fest, als an unterschiedlichen Sendern.

Besonders unter dem Gesichtspunkt des Bildungsauftrags, stehen öffentlich-rechtliche Formate zur Politikvermittlung und Demokratiediskussion auf dem Prüfstand, da besonders jüngere Zielgruppen immer stärker in die sozialen Netzwerke abwandern und ihren „Wissensdurst“ exklusiv dort stillen. Wie siehst du diese Entwicklung und was können öffentlich-rechtliche Sender beispielsweise von privaten Sendern adaptieren, um attraktiver für jüngere Zielgruppen zu werden?

Ich finde die öffentlich-rechtlichen Sender machen doch einen super Job, junge Zielgruppen da zu erreichen, wo sie sich sowieso aufhalten. Bei Tiktok, Instagram oder in den Mediatheken etc. Manchmal würde ich mir noch ein bisschen mehr Mut wünschen, auch im linearen Fernsehen mehr jüngere Themen und Perspektiven abzubilden. Von den Privaten kann man sich vielleicht ein bisschen Experimentierfreudigkeit abgucken. Die probieren auch im Linearen oft und schnell neue Formate aus.

Und was können private Sender deiner Meinung nach vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk lernen?

Die Privaten machen mit ihrer Informationsoffensive ja gerade ganz schön Dampf. Da sind die sicher noch längst nicht so weit wie die öffentlich-rechtlichen, ich bin mir sicher die Privaten gucken ganz genau, wie die öffentlich-rechtlichen das machen und schauen sich das eine oder andere ab.

Auf welche neuen Projekte dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Am 9.11. um 20:15 Uhr im ZDF läuft meine erste „ZDF:zeit“-Doku „Die Wahrheit übers Erben – warum Reiche immer reicher werden“ und an neuen Talkformaten arbeiten wir natürlich auch schon fleißig…