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Vom Unternehmertum als Karriereweg

von BENJAMIN SCOTTI am 12.06.2018

Astrid Schulte ist Vorstandsvorsitzende der Berendsohn AG und hat uns anlässlich eines Gastgesprächs besucht. Dabei hat uns die gebürtige Münsteranerin einen spannenden Einblick in den Direktvertrieb von Werbemitteln ihres Unternehmens und Empfehlungen für den erfolgreichen Geschäftsaufbau auf den Weg gegeben.

Astrid Schulte hat ein BWL-Studium absolviert, das Fach studierte sie zunächst nicht aus Hingabe, sondern weil sie damals etwa neben Jura keine andere Alternative gesehen habe. Die Wahl des Studiengangs war offenbar trotzdem die richtige - ihre erste Stelle trat die Absolventin als Brand Managerin bei Kraft Jacobs Suchard an. „Eine strategische Entscheidung“, wie Astrid Schulte betont. Der Job habe ihr den spannenden und mitunter langwierigen Weg von der Produktidee zur Markteinführung deutlich gemacht, aber auch vor Augen geführt, dass das Daily Business auch mal zu 50 % aus Reporting und Self-Marketing bestehen kann. Es folgten Positionen unter anderem als Senior Consultant bei Roland Berger und Partner und als Geschäftsführerin im Vertrieb und Marketing bei Loyalty Partner, in der es in Verbindung mit Pay Pal um eine Kommunikationsstrategie für ein Kundenbindungssystem ging.

„Ich wollte immer höher, schneller, weiter“, berichtet Astrid Schulte rückblickend auf die arbeitsintensive Zeit Ende der 90er Jahre, in denen die Entschleunigung der Work-Life-Balance und der Generation Y in ihren sprichwörtlichen Kinderschuhen steckten. Die Entscheidung ihren Karriereweg zu ändern traf sie daher um die Jahrtausendwende bewusst im Hinblick auf ihre Familie und die Geburt ihrer drei Töchter. Sie stieß auf bellybutton - das Unternehmen bietet Produkte rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt, Kinder und Familie an. Die junge Mutter übernahm die Position der Geschäftsführenden Gesellschafterin und ist seither Unternehmerin aus Überzeugung geblieben. Nicht nur die Kundenresonanz erlebte sie in hohem Maße als positiv, auch das Mitarbeiterwachstum auf 45 Personen sowie der Jahresumsatz stiegen unter ihrer Führung in beträchtlichem Maße auf zuletzt 9 Millionen Euro an.

Im vergangenen Jahr dann entschied sich Astrid Schulte für eine erneute Herausforderung. Wie beim Einstieg bei bellybutton rund 15 Jahre zuvor, war wiederum die Suche nach einem potentiell lukrativen und spannenden Geschäftsmodell ausschlaggebend für die Entscheidung. Mit 2 Freunden kaufte sie mehrheitlich die Berendsohn AG. Das alte Hamburger Familien-Unternehmen hat sich auf den Direktvertrieb von Werbemitteln spezialisiert und zeichnet sich durch seinen Full-Service-Ansatz aus. Das Produktportfolio von Berendsohn erstreckt sich von klassischen Schreibartikeln, über individualisierbare Taschen, bis hin zu praktischen Alltagshelfern wie Thermometern und Flaschenöffnern. Die Schlüsselkompetenz des Unternehmens die sehr enge Bindung zwischen Vertrieblern und Kunden, die letztlich ausschlaggebend für die hohe Wiederkaufrate verantwortlich ist. Das Unternehmen bietet zwar auch die Onlineabwicklung der Geschäftsbeziehung an - aber es ist die Idee des Exklusiven, die das Geschäftsmodell von Berendsohn auszeichnet und die persönlichen Kontakt zum Kunden einschließt.

Astrid Schulte geht es mit ihren Produkten um eine Haltung, die sie kommunizieren möchte. Es geht ihr um Geschichten, die über die Funktionalität und das Branding der Artikel hinausweisen, um als Unternehmen nicht nur langfristig wettbewerbsfähig, sondern auch unverwechselbar zu bleiben. Auf die Frage, welche Faktoren für sie ausschlaggebend für den Geschäftseinstieg bei bellybutton und Berendsohn waren, antwortet Astrid Schulte: „Die Chancen standen aus meiner Sicht 80 zu 20, dass sich die Geschäfte erfolgreich entwickeln. Und ich habe immer auf mein Bauchgefühl gehört.“