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DIGITAL JOURNALISM

DJ-Alumna Sarah Schönewolf über ihren Arbeitsalltag im Corporate Publishing

von RONJA RABE am 23.06.2020

Unsere Digital Journalism Alumni arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen. Sarah Schönewolf ist mittlerweile vom Journalismus in den Bereich Corporate Publishing bei FORMBA Editorial und Design in Hamburg gewechselt. Was die digitalen Herausforderungen in ihrem Arbeitsalltag sind und wie sich die Arbeit zu ihrer vorigen Arbeit unterscheidet, erzählt sie uns im Interview.

Sarah Schoenewolf

Sarah, du hast an der HMS Digital Journalism studiert und arbeitest aktuell in der Redaktion der Agentur FORMBA, die sich mit Editorial und Design beschäftigt. Das klingt spannend! Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Sarah Schönewolf: Mein Arbeitsalltag lässt sich gut beschreiben, wenn wir den Unterschied, zu dem was ich vorher gemacht habe, betrachten. Ich habe für ein politisches Magazin gearbeitet, dass vor allem online publiziert. Das war sehr viel tagesaktuelles Arbeiten: Du bekommst eine Information und schreibst deinen Artikel dazu. Gerade online ist die Information dann schnell veraltet.

In dem Bereich, in dem ich jetzt arbeite, ist es so, dass wir hauptsächlich große Printpublikationen machen. Das heißt, mein Arbeitsalltag besteht viel in der konzeptionellen Arbeit, zu gucken, welche Inhalte für den Kunden interessant sind, aber auch für die Zielgruppe. Dann bin ich in engem Austausch mit der Grafik. Hier gibt es einen wesentlichen Unterschied zu meiner vorigen Arbeit: Das Design steht zuerst, dann kommt der Text.

Aber ich schreibe natürlich noch. Ich produziere etwa Titel-Features oder Reportagen. Die Arbeit beim Corporate Publishing erstreckt sich also wie gerade beschrieben über mehrere Bereiche: also Konzeption, Redaktion und Projektmanagement. Das ist auf jeden Fall sehr spannend. Gerade dieses konzeptionelle Arbeiten ist etwas, das ich sehr im Studium geschätzt habe. Es ist toll, dass ich das jetzt in der Praxis umsetzen kann.

Was sind die aktuellen Herausforderungen in deinem Job? Welche Entwicklungen der Branche Corporate Publishing findest du besonders spannend?

Sarah: Aktuell liegt bei mir viel mit AR, also Augmented Reality, auf dem Tisch, um dafür Inhalte zu schaffen. Das ist auf jeden Fall ein Trend bei uns, und man überlegt sich auch immer: Was ist der Mehrwert von diesen Online-Inhalten und wie bekomme ich die Verknüpfung zwischen Realität und Online hin? Wie schaffe ich es, dem Leser einfach noch mehr mitzugeben? Das ist bei Corporate-Publishing-Produkten oft noch einmal schwerer als bei normalen Zeitschriften. Dort sind die Informationen der grundsätzliche Mehrwert. Die Zielgruppen sind klar definiert. Aber im Corporate Publishing versucht man vor allem, das jeweilige Firmenimage rüberzubringen, das eben noch besonders spitz zur Zielgruppe sein muss. Es geht darum, einen wirklichen Anreiz für die Leser zu schaffen, dass sie sich mit Inhalten von Firmen überhaupt beschäftigen wollen. Mit den Möglichkeiten von AR ist das besonders spannend: Wie erreiche ich meine Zielgruppe auf verschiedenen Plattformen, kann ich sie dort abholen und wie verknüpfe ich diese verschiedenen Plattformen miteinander?

Kommen wir zurück auf deine Zeit an der HMS. Wovon hast du nach deinem Studium am meisten profitiert?

Sarah: Ich glaube, das war das Design-Thinking-Seminar mit dem Pitch, den wir hatten. Das war wohl das Herausforderndste und das Spannendste für mich, weil ich den Zeitdruck hatte, in dem ich eben ein Produkt entwickeln musste, das wirklich für die Zielgruppe interessant ist. Spannend war, dass sich dann auch herausgestellt hat, dass Jounalist_innen häufiger das Problem haben, ein Produkt an der Zielgruppe vorbei zu entwickeln. Das Studium an der HMS zeichnete genau dieses konzeptionelle Arbeiten aus – verbunden mit der Praxisnähe. Das hat mir total weitergeholfen.

Ich habe das Studium während meiner Elternzeit absolviert, um an den Trends dran zu sein und eine Auszeit aus dieser „Kinderblase“ zu haben. Ich hatte immer das Gefühl: „Okay, da passiert was und ich bin dabei!“ Das hat mir insgesamt sehr viel gegeben.

Was würdest du Studierenden mit auf den Weg geben?

Für das Studium würde ich sagen: Bringt euch so viel ein wie möglich, netzwerkt so viel wie möglich, versucht, so viel wie möglich Fragen zu stellen und euch so viel wie möglich mit den Inhalten zu beschäftigen, weil ihr die Experten vor Ort habt, die sich auskennen mit den Themen. Das hat man wohl nie wieder so stark. Es zeichnet die HMS aus, viele Experten und Coaches zur Verfügung zu stellen, die wirklich Ahnung von einem bestimmten Thema haben, in das man sich dann reinfuchsen kann.

Und zum Netzwerken: Wie gut der Ruf der HMS ist, habe ich bei meiner Masterarbeit gemerkt. Dafür musste ich verschiedene Experten für Interviews anfragen wie etwa Isa Sonnenfeld von Google News, Lina Timm vom Media Lab Bayern oder Frederik Fischer vom Ko-Dorf. Es haben sich direkt alle Experten bereiterklärt, sich mit mir für ein, zwei Stunden in Berlin hinzusetzen und sich diese Zeit für ein Interview zu nehmen. Ich denke, diese Bereitschaft ist schon etwas, was auch dem Ruf der HMS geschuldet ist.

Und dann kommt natürlich dazu, dass der Austausch unter den Kommiliton_innen wahnsinnig nett war. Mit denen stehe ich immer noch im Austausch und schaue, was alle beruflich machen. Es ist super spannend, zu sehen, wo sich die einzelnen Leute dann hin entwickeln und mit was für unterschiedlichen Inhalten sie sich im Endeffekt beschäftigen, alle in diesem großen Feld des digitalen Journalismus.

Mir hat das Studium insgesamt geholfen, zu ergründen, in welche Richtung ich denn beruflich weitergehen will. Also es war auf jeden Fall gut, dass ich das gemacht habe.