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DIGITAL JOURNALISM FELLOWSHIP

DJF: Fünf Fragen an... Nina Klaß

von ANJA KOLLRUSS am 09.10.2020

Nina Klass Foto

Als Leiterin von nextMedia.Hamburg ist Nina Klaß seit 2018 Ansprechpartnerin für vielfältige Themen, die die Hamburger Medien- und Digitalwirtschaft betreffen. Zuvor war die studierte Betriebswirtin mit den Schwerpunkten Marketing, Medien und Organisationsführung mehrere Jahre für die Spiegel-Gruppe tätig. Als Leiterin Digitales Marketing verantwortete sie dort zuletzt das Vertriebsmarketing der digitalen Produkte sowie Technologie-Kooperationen. Unter anderem schrieb sie am Innovationsreport der Spiegel-Gruppe mit.


Auf eurer Website beschreibt ihr nextMedia.Hamburg als "Standortinitiative für die Hamburger Medien- und Digitalszene". Was heißt das ganz konkret? Und was ist deine Aufgabe dabei?

Aufgrund der Komplexität und Vielfalt unserer Aufgaben, werden wir das oft gefragt. Sagen wir so: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Hamburgs Spitzenposition als Medien- und Digitalstandort weiter auszubauen und sichtbar zu machen. Jeden Tag arbeiten wir daran, den Content und Tech von morgen voranzutreiben: Wir gestalten Innovation, fördern Ideen und bringen kreative Köpfe zusammen. Unsere Kernaufgabe ist die Förderung und Unterstützung neuer, zukunftsfähiger Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Content und Technologie. Wir sorgen also dafür, dass es in Hamburg eine Infrastruktur gibt, die Innovation in der Medien- und Digitalbranche ermöglicht. Da wo es sinnvoll ist übernehmen wir selbst und bieten so unterschiedlichste Innovationsprogramme (Inkubator, Lab, Hackathons, Foresight) an.

Ich leite nextMedia.Hamburg seit 2018 und habe die Initiative in den letzten Jahren neu aufgestellt. Dazu gehört auch ein neues Team aus Innovations-, Projekt-, Event- und Kommunikationsmanager*innen. Gemeinsam befähigen wir uns jeden Tag, unser Expert*innenwissen weiter auszubauen und in konkrete Programme und Formate, Veranstaltungen, Studien und Marketingkampagnen umzusetzen. Zu meinen Aufgaben gehört z.B. auch die Konzeption und die Realisierung der Innovationsinfrastruktur - gemeinsam mit der Politik, Wirtschaft und der Forschung. Man muss sich das so vorstellen, dass wir mittlerweile ganzjährig mit der Organisation und methodischen Durchführung unserer Programme und Events beschäftigt sind, in denen große und kleine Unternehmen, Start-Ups, Studierende und internationale Tech-Konzerne gemeinsam an der Umsetzung ihrer Ideen arbeiten. Durch tägliche Gespräche, Teilnahme an Veranstaltungen und Marketingaktivitäten mache ich Hamburg außerdem als Medienmetropole international sichtbar und baue unser starkes Netzwerk weiter aus. Das bedeutet vor allem auch, sich mit (technischen) Entwicklungen auszukennen, sie für die Branche erklärbar und managebar zu machen. Das richtige Netzwerk spielt dabei insofern auch eine wichtige Rolle, als das wir an offene Innnovationsprozesse und Kooperation unterschiedlicher Akteure und Branchen glauben.

Wo siehst du Hamburg als Medien- und Digitalcity im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland? In welcher Liga spielt die Hansestadt europaweit?


Kaum ein anderer Ort beheimatet so viele bedeutende Agenturen, Plattformen und Inhalte-Produzenten mit nationaler und internationaler Bedeutung wie Gruner & Jahr, die SPIEGEL-Gruppe, InnoGames, RocketBeans und Xing. Daneben betreiben zahlreiche globale Größen wie Google, Snapchat und Facebook ihr Deutschland-Geschäft von Hamburg aus. Ihre Leistung für den Erhalt und das Zustandekommen gesellschaftlicher und kultureller Öffentlichkeit und nicht zuletzt ihre Wirtschaftskraft machen die Medien-, Digital- und Kreativwirtschaft zu einer der bedeutsamsten Branchen für Hamburg. Und das merkt man auch: Glücklicherweise war und ist Hamburg die attraktivste Medienmetropole unter Medienmacher*innen in Deutschland, die Szene ist allein von 2017 auf 2018 um 11% gewachsen. Es gibt in Hamburg eine für nachhaltige Innovationen wichtige Mischung aus Tradition, Kreativität und Engagement. Das gilt sicher auch europaweit - wobei wir in den nächsten Jahren verstärkt daran arbeiten werden, für internationale Fachkräfte noch sichtbarer zu werden.

Ihr entwickelt regelmäßig neue Programme. Welche Projekte setzt ihr derzeit um?


Wir tüfteln immer und ständig an neuen (Innovations-)Formaten und probieren gemeinsam mit der Hamburger Innovationsszene viel aus - genau das macht uns aus und Spaß. Dabei versuchen wir immer in Bewegung zu bleiben und auf die Bedarfe der Branche zu reagieren. Mit unserem FAST MOVER-Programm haben wir beispielsweise innerhalb kürzester Zeit ein neues Format entwickelt, um in der Corona-Krise innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu unterstützen.

Unser Fokus liegt auf Innovationen, die sich aus der Digitalisierung und der damit verbundenen Konvergenz der Medienmärkte ergeben (z.B. aus Presse und Rundfunk, Werbung, Musik, Games, Film, Buch und Software) und deswegen setzen wir methodisch auf unterschiedlichen Ebenen an. Etabliert haben sich folgende Programme und Events:

- Bei Content Foresight suchen wir Ansätze für den Content der Zukunft an der Schnittstelle zu einer weiteren Branche.
- Von der Idee zur Innovation: Im MEDIA LIFT Inkubator werden Content und Tech Ideen geschäftsfähig gemacht.
- Im Prototyping Lab entwickeln experimentierfreudige Unternehmen mit talentierten Studierenden in nur einem Semester testbare Prototypen.
- Jedes Jahr veranstalten wir gemeinsam mit der dpa die Hamburger Innovationskonferenz "scoopcamp" für Medien.
- Beim Media Innovation Buzz bringen wir die Hamburger Medien- und Digitalszene branchenübergreifend mit jungen Talenten zusammen, um ihnen zu zeigen, welche Karrierechancen es gibt und wie viel Innovationspotenzial in den Unternehmen steckt.

Noch nicht getestet aber in Bewerbung ist unser neues Format nextMedia.Live, das am 4.11. erstmals zum Thema #BeyondPodcasts startet: Kurzweilig und ergebnisorientiert arbeiten wir gemeinsam mit Expert*innen aus unserem Netzwerk an relevanten Themen der Digital- und Medienbranche. In einer 90-minütigen Live-Session erarbeiten die Teilnehmenden methodisch angeleitet konkrete Lösungsansätze. Ziel ist, dass sich mögliche Kooperationen ergeben und konkrete Ansätze auch über das Format hinaus weiterverfolgt werden.

Euer Name ist "nextMedia". Was sind denn Medien oder digitale Formate, die demnächst eine Rolle spielen werden?


Eine große Frage, denn alles in dieser "Branche" ist in Bewegung. Die größte Entwicklung bleibt die Genrekonvergenz und die damit einhergehende Plattformdynamik. Klingt kompliziert und ist es auch - denn daraus ergeben sich ständigen neue Anforderungen und Geschäftsmodellinnovationen am Markt. Aber mal konkreter: Nach der Videorevolution und Apps wie TikTok gibt es aktuell viel Bewegung im Audio-Markt, z.B. beim Thema Social Audio.

Beim scoopcamp 2020 haben wir gerade erst gehört, wie schnell und erfolgreich sich The Conversation entwickelt - ein gemeinnütziger Nachrichtenverlag, der mit Akademiker*innen zusammenarbeitet, um ihre Forschung und ihr Fachwissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und wenn man mal in die jüngeren Zielgruppen schaut, kommt man nicht umhin, sich mit In-Game-Events zu beschäftigen. Wer sich noch nicht mit dem Konzert von Travis Scott in Fortnite beschäftigt hat, sollte das nachholen.

Über alles hinweg spielen sogenannte "Human Brands" und ihre Communities als Treiber neuer Formate eine immer größere Rolle. Linda Zervakis ist Tagesschausprecherin und Journalistin und wenn sie einen Podcast macht, dann funktioniert das eben auch.

Innovationen anstoßen und neue Ideen entwickeln, gehören zu deinen täglichen Aufgaben. Hast du bestimmte kreative Methoden oder Ansätze, die dir beim Brainstormen helfen - und auch anderen beim Findungsprozess helfen könnten?


Ideen haben ist eine Sache - das Umsetzen und das Überzeugen ist meiner Erfahrung nach das Entscheidende, da hilft viel Erfahrung, eine gute Story und ein starkes Netzwerk für Feedback und Diversität an Kompetenzen und Perspektiven. Ich bin selbst Wissenschaftlerin und promoviere im Bereich Innovationsmanagement und Human Brands in der Medienbranche, meine Denkweise ist daher oft sehr analytisch und abgewogen. Mir helfen punktierte Konzeptbeschreibungen, Moodboards und dann Diskussionen mit meinem Team und weiteren Expert*innen für ein "agiles" Ball hin und her werfen - am Ende schaut mein Bauchgefühl immer nochmal drüber.