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Fünf Fragen an Kemi Fatoba

von KRISTINA KABA am 05.11.2021

Kemi Fatoba shot by Danilo Sierra DO01000571

JIP-Coach Kemi Fatoba ist Co-Founder des DADDY Magazine und schreibt als freiberufliche Journalistin für ZEIT Online, Vogue und verschiedene deutsche und internationale Publikationen. Sie wurde in Wien geboren und zog nach Abschluss ihres Master-Studiums „Publizistik- und Kommunikationswissenschaft“ an der Universität Wien nach London. Heute lebt sie in Berlin und berät von dort aus Marken und Unternehmen in der Kommunikation mit diversen Zielgruppen.

Du bist Co-Founderin des DADDY Magazine – welchen inhaltlichen Schwerpunkt habt ihr und wie hebt ihr euch von anderen Magazinen ab?
Wir sind das Gegenteil von Mainstream-Publikationen, denn bei uns stehen die Perspektiven von Schwarzen Menschen, People of Colour, queeren Menschen und all jenen, die medial unterrepräsentiert sind, im Mittelpunkt. Unser Team ist genauso vielfältig, wie die Menschen, mit denen wir arbeiten, was keine Selbstverständlichkeit ist. Identität spielt daher bei uns oft eine Rolle aber wir publizieren keine Betroffenheitsgeschichten oder Erklärtexte, denn wir wollen, dass unsere Autor:innen und Künstler:innen sich frei ausdrücken können. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben.

Wie kam es zur Gründung des DADDY Magazines?

DADDY entstand als Plattform, um mit Humor darauf hinzuweisen, dass das progressive Image, das Berlin bzw. Deutschland international genießt, nicht der Realität entspricht. Das war vor fünf Jahren und seitdem gibt es viele weitere Plattformen, die Raum eingenommen haben, um diese Dinge zu thematisieren. Die deutsche Medienlandschaft ist immer noch sehr homogen und elitär, daher sind DIY-Plattformen oft die einzige Möglichkeit, um sich Gehör zu verschaffen.

Wie finanziert ihr euch und welche Zielgruppe sprecht ihr an?

Unser Kollektiv begann aus Leidenschaft. Wir haben viel Zeit und Liebe in das Projekt gesteckt, ohne etwas daran zu verdienen – was natürlich nicht nachhaltig ist. Da es immer wieder vorkam, dass wir Consulting-Anfragen erhielten, haben wir begonnen, Beratung für Brands, Unternehmen und Institutionen anzubieten, was wiederum das Printmagazin und andere Projekte finanziert. Unsere Leser:innen kommen fast ausschließlich aus den gleichen Communities wie wir selbst und haben ein internationales Mindset. Viele sind auch einfach nur daran interessiert, mehr über Perspektiven zu erfahren, die sich von ihren eigenen unterscheiden.

Ihr behandelt die gesellschaftlich wichtigen Themen Rassismus, Sexismus, Diskriminierung und Homophobie – laut eurer Beschreibung – „trough a humorous lens“. Was ist deiner Meinung nach, neben Humor, der Schlüssel zu mehr Toleranz in unserer Gesellschaft?

Humor kann ein Weg sein, um mit schwierigen, traumatischen Erlebnissen besser umzugehen und Humor kann auch entwaffnen – ganz besonders dann, wenn dir das Lachen im Hals stecken bleibt, weil du dich ertappt fühlst. Unsere Gesellschaft braucht aber mehr als Humor, um auch diejenigen zu inkludieren, die von ihr strategisch ausgeschlossen werden, etwa indem Türen für uns nicht geöffnet werden, Jobs nicht öffentlich ausgeschrieben werden oder Förderungen an jene vergeben werden, die sie eigentlich nicht brauchen. Diese Frage können diejenigen, die auf der anderen Seite der Türe stehen, in den Führungsetagen sitzen und Entscheidungen treffen, besser beantworten. Unser Magazin ist vor allem eine Liebeserklärung an unsere Communities.


Deine Coaching-Schwerpunkte für das JIP sind Indie-Journalismus, Intersektionalität und Repräsentation – was erwartet die Fellows im Coaching mit dir?

Ein Satz, den ich sehr oft höre, ist “Wir konnten niemanden finden”. Meine erste Frage lautet dann immer: “Wo habt ihr gesucht?”. In den Coachings mit den Fellows will ich darüber sprechen, wie Repräsentation aktiv gefördert werden kann und warum Intersektionalität alles besser macht. DADDY ist weit weg vom Mainstream, was uns viele Freiheiten gibt, die Indie-Journalismus im Vergleich zu Mainstream-Medien hat. Ich würde gerne allen, die überlegen, etwas Ähnliches zu starten, einen Einblick in unseren Redaktionsalltag geben.