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JOURNALISM INNOVATORS PROGRAM

Fünf Fragen an Paul Ostwald

von KRISTINA KABA am 16.09.2021

Paul Ostwald

Paul Ostwald ist Mitgründer von Forum.eu und arbeitet derzeit an einem neuen Medien Start-Up, das 2022 starten soll. Er wuchs in Nairobi und Moskau auf und studierte in Oxford Politikwissenschaften. Neben dem Studium berichtete er für das Handelsblatt, die taz und andere Medien vom US-Wahlkampf und dem Brexit. Er gründete 2015 das “Journal of Interrupted Studies” – eine akademische Zeitschrift, in der geflüchtete Akademiker publizieren – und 2017 den “Einfachen Dienst”, ein Datenjournalismus-Projekt. Auf Forum.eu können Leser*innen Texte von mehr als 20 Partnerzeitungen (New York Times, El Mundo, u.a.) in sechs Sprachen lesen.

Wie kam es zu der Idee, forum.eu zu gründen?
Ich war 2015 als freier Reporter für die taz und das Handelsblatt auf Lesbos und traf dort auf Journalist*innen aus ganz Europa. Wir alle schrieben an ähnlichen Geschichten, ohne je unsere Texte lesen zu können. Diese Frustration war dann der Antrieb, eine Plattform zu schaffen, auf der wir uns quer durch den europäischen Spitzenjournalismus lesen können.

So journalistisch wertvoll und notwendig Angebote wie forum.eu sind – am Ende muss damit Geld verdient werden. Mit welchem Geschäftsmodell habt ihr den Schritt in die Monetarisierung von Inhalten geschafft?
Die Idee war von Anfang an, eine Vielzahl von Monetarisierungs-„Pfaden“ auszuprobieren. Vom klassischen Abonnement-Modell, über Partnerschaften mit Universitäten und Stiftungen, die ein Interesse am europäischen Diskurs haben, bis hin zu „B2B“-Modellen, bei denen Autor*innen und Zeitungen unsere Übersetzungen an andere Publisher verkaufen können.

Was hat dabei gut geklappt, was weniger gut?
Das Abonnement ist immer noch quicklebendig. Schwierig wird es nur, über Länder mit wechselnder Zahlungsbereitschaft ein faires Modell zu bauen, bei dem sich keiner benachteiligt fühlt. Schwierig sind hingegen institutionelle Partnerschaften, die sich für den Verhandlungsaufwand nur selten lohnen.

Welche wichtigen Erkenntnisse würdest du Gründer*innen im Bereich Journalismus mit auf den Weg geben?
Sucht euch Partner*innen in der Gründerszene außerhalb des klassischen Journalismus. Da wird dann im Gespräch aus „Artikel“ schnell Content, aus “Autor*in“ ein „Content-Creator“, was nicht jedem und jeder Vollblut-Journalist*in zusagt. Die Einblicke, ob aus dem eCommerce, Fintech, Impact Investing, sind es aber allemal wert und weiten den Blick.

Du hast gerade angekündigt, beruflich bei forum.eu auszusteigen – was sind die Gründe dafür und was dürfen wir an neuen Projekten von dir erwarten?
Ich habe nach einer gesundheitlichen Pause innegehalten und für mich die Entscheidung getroffen, dass ich eine Auszeit brauchte. Ich habe mit 17 Abitur gemacht, habe danach sofort ein anspruchsvolles Studium in England begonnen und nebenher gearbeitet. Die Arbeit an Forum.eu begann noch während meines Studiums. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich innehalten musste. Jetzt freue ich mich aufs nächste Projekt, das im neuen Jahr beginnen soll.

Als Coach berätst du die Teilnehmenden des Journalism Innovators Program (JIP) an der HMS. Was dürfen die Fellows von deinem Coaching erwarten?
Ich freue mich am meisten auf die Entwicklung neuer Produktideen und Geschäftsmodelle. Die Fellows werden schon wissen, wo sie Lücken haben. Da helfen dann vielleicht meine Erfahrungen, das Netzwerk oder eine zündende Idee.