Für ihn schließt sich der Kreis: Als Tim Klüssendorf, Generalsekretär der SPD, die Räume der HMS betritt, trifft er nicht nur auf neugierige und gespannte Student:innen, sondern auch auf zwei vertraute Gesichter. Die HMS-Dozenten Dr. Christian Wellbrock und Prof. Dr. Armin Rott waren nämlich früher auch einmal genau das für ihn: seine Dozenten.
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Vom Hörsaal ins Willy-Brandt-Haus: SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf zu Besuch
Zwischen Lübeck und Hörsaal: Die Wurzeln einer politischen Karriere
Aber noch einmal zurückgespult: Angefangen hat alles in seinem Geburtsort Lübeck. Dort ist Tim aufgewachsen und bis heute eng mit seiner Heimatstadt verbunden. Mit 15 Jahren nahm er an einer Gegendemonstration gegen einen Neonazi-Aufmarsch teil - ein prägendes Erlebnis, das ihn politisierte. Kurz darauf fiel die Entscheidung, selbst aktiv zu werden. 2007 trat er in die SPD ein, engagierte sich früh bei den Jusos und in der Lübecker Kommunalpolitik - mit dem Ziel, die Partei zu „verjüngen“ und Politik lebensnäher zu gestalten.
Nach der Schule wollte Tim zunächst eine Ausbildung beginnen. Nachdem sein neuer Arbeitgeber jedoch darauf aufmerksam geworden war, dass er sich politisch engagiert und ihn bat, sich von der Politik zu distanzieren, schlug Tim den Ausbildungsvertrag aus und entschied sich gegen die Ausbildung. Stattdessen entschied er sich für ein Studium der VWL und begegnete Prof. Dr. Armin Rott. Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss folgte der Master in BWL mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und Marketing, wo er schließlich Dr. Christian Wellbrock kennenlernte.
Management und öffentliche Bühne: Der Alltag als SPD-Generalsekretär
Eigentlich wollte Klüssendorf nach dem Studium in Hamburg bleiben und bei einer großen Unternehmensberatung in die Berufswelt einsteigen. Doch parallel leitete er den Wahlkampf des SPD-Bürgermeisterkandidaten in Lübeck - mit Erfolg. Nach der gewonnenen Kampagne erhielt er das Angebot, als rechte Hand des neu gewählten Bürgermeisters einzusteigen. Der nächste Schritt seiner politischen Laufbahn war damit klar vorgezeichnet.
Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte Klüssendorf selbst für die SPD in Lübeck und gewann den Wahlkreis direkt; legte in seiner Arbeit im Bundestag einen klaren Fokus auf Finanz- und Steuerpolitik. 2025 gewann er seinen Wahlkreis erneut direkt, vertritt die Region also weiter im Bundestag. Im Juni 2025 wurde er zudem vom SPD-Bundesparteitag zum Generalsekretär der SPD gewählt.
In seiner Rolle als Generalsekretär versteht sich Klüssendorf nicht nur als Parteiorganisator, sondern auch als Moderator zwischen den politischen Welten: zwischen Partei und Regierung, Tradition und Erneuerung. Er beschreibt seine Aufgabe als „Arbeit in zwei Welten“ - täglich zwischen interner Strukturarbeit und öffentlicher Bühne wechselnd. Er arbeitet intensiv daran, die SPD organisatorisch zu modernisieren. Eine Aufgabe, die er als echten Management-Job begreift. Gleichzeitig ist er auch das Gesicht der Partei nach außen: er absolviert Talkshowauftritte und Interviews, formuliert Botschaften und hält Reden, die den Brückenschlag zwischen politischen Erwägungen und Alltagsthemen schaffen sollen.
Authentizität im Rampenlicht: Über Zweifel, Diskurs und den nötigen Ausgleich
Wer ihn erlebt, spürt: Klüssendorf ist jemand, der auch Selbstzweifel zulässt. „Zweifel sind gesund. Würde man nur mit Scheuklappen durch die Welt laufen, sieht man auch manche Schwächen nicht“, sagt er. Er spricht offen über die Herausforderungen politischer Arbeit: mangelnde Kompromissbereitschaft in der Gesellschaft, digitale Dauerempörung und die Härte des öffentlichen Diskurses. Nach einem aufsehenerregenden Auftritt bei Markus Lanz, bei dem er in einer hitzigen Diskussion kurz ins Straucheln geriet, erlebte er selbst, wie schnell ein kleiner Moment online große Wellen schlägt.
Abseits der großen Politik findet Klüssendorf seinen Ausgleich im Sport: Er spielt beim FC Bundestag im Mittelfeld, meist als Sechser oder Zehner. Wenn Politik und Fußball doch einmal zu viel werden, bleibt die Konsole als Rückzugsort: „Dabei kann ich zu einhundert Prozent abschalten, man braucht so einen Ausgleich.“
Mit diesen wichtigen Schlussworten bleibt ein Rückblick auf ein Gespräch mit einem Politiker, der Professionalität und Bodenständigkeit miteinander vereint und offen für alle Fragen der Studierenden war.
Wir danken Tim sehr herzlich für seine Zeit und den spannenden Austausch!
