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Warum mein australisches „Strandsemester“ keines war

von HANAH STAUCH am 12.03.2026

Ein Auslandssemester in Australien.
Ich weiß, ich hätte auch die Augen verdreht. Sonne, Strand, ein bisschen Uni nebenbei. Genauso hatte ich mir das vorgestellt, da ich für die benötigten Credits nur zwei Kurse belegen musste und das Meer nur zehn Fahrradminuten entfernt lag.

Spoiler: Ich war in den drei Monaten nur viermal am Strand.

Vor Semesterbeginn bin ich mit einer Freundin vier Wochen die Ostküste entlang gereist. Backpacking, fragwürdige Hostels, atemberaubende Landschaften, lange Busfahrten und die Balance zwischen Tieren, die wir vermeiden wollten, und jenen, nach denen wir ständig Ausschau hielten.

Backpacken

Verschiedenste Eindrücke zwischen Cairns und Melbourne.

Als das Semester an der Bond University begann, änderte sich der Fokus jedoch ziemlich schnell. In meinen Kursen “Entrepreneurship and Innovation” und “Managing People” wurden Theorien nicht nur gelehrt, sondern es ging darum, sie auf uns selbst anzuwenden. Welche Art von Leader möchte ich sein? Wie arbeite ich im Team? Was motiviert mich eigentlich wirklich?

Die Assignments fühlen sich statt klassischer Uni-Aufgaben eher wie klar strukturierte Selbstanalysen an. Ich glaube, nur wenige Leute kennen mein Innenleben jetzt so gut wie meine Professoren an der Bond. Der persönliche Bezug des Lernens war überraschend motivierend und ich verbrachte immer mehr Zeit mit den Aufgaben und an der Uni. Strand adieu.

Campus

“The Arch” der Bond University, Gold Coast, Australien.

Da das bei vielen Studierenden so war, spielte sich das soziale Leben vor allem auf dem Campus ab. Menschen aus aller Welt (und, wenig überraschend, sehr viele Deutsche) verbrachten ihre Tage dick eingepackt in der über klimatisierten Bibliothek und trafen sich in den Kaffeepausen oder immer mittwochs beim “sausage sizzele”, dem kostenlosen BBQ-Mittagessen der Uni.

Das Einzige, was mir an der Gold Coast wirklich fehlte, waren verwinkelte, diverse Innenstädte, aufregende Kulturmomente, die den Alltag durchbrechen und eine Vielfalt, die ich als Europäerin bisher für selbstverständlich gehalten habe. Stattdessen erweckten die Städte hier den Anschein, einmal geplant und dann gebaut worden zu sein: kompartmentalisierte Lebensbereiche, die auf Autos ausgelegt waren und in denen man eigentlich für alles eine Mall ansteuern musste.

“We acknowledge the Traditional Owners of the land on which we meet today. I would like to pay my respects to Elders past, present, and emerging.”


Da die Ureinwohner:innen Australiens im alltäglichen Leben an der Gold Coast bis auf diesen Satz, der vor jeder Veranstaltung aufgesagt wird, nicht wirklich stattfinden, war die einwöchige “Island Class” ein großes Highlight für mich. Sie fand auf North Stradbroke Island, dem Land des Quandamooka-Stammes, statt, der dort seit über 22.000 Jahren lebt. Wir hatten die Möglichkeit, an einer “Smoking Ceremony“ teilzunehmen und haben viel über die traditionelle Lebensweise und die Geschichte der Aborigines gelernt. Eine Frau aus einem der Stämme erzählte von ihrer Familie, die vor 200 Jahren enteignet wurde und man spürte, wie präsent der Schmerz darüber bis heute ist. Nach und nach gewinnen sie ihre Selbstbestimmung und ihr Land zurück und vereinen das moderne Leben mit ihrer traditionsreichen Kultur.

Island Class

Rauchzeremonie, trad. Gegenstände u. Tänze der Quandamooka

Rückblickend war mein Auslandssemester deutlich weniger das, was man vom australischen Lifestyle erwartet, aber auf ganz andere Weise bereichernd. Eine so umfassende Studienerfahrung, die, wie Nils Grannemann seinen Master an der Bond University beschreibt, „life-changing“ sein kann. Mein Life wurde zwar nicht übermäßig gechanged, aber eine prägende Erfahrung war es definitiv.