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DIGITAL- UND MEDIENMANAGEMENT

„Einfach mal machen“ – Interview mit einer mutigen HMS-Alumna

von CLAUDIA GROSSE SIEMER am 05.10.2020

Nach zehnjähriger Management-Tätigkeit bei Gruner und Jahr ist Anna van Koetsveld nun stellvertretende Verlagsgeschäftsführerin bei Bauer Women & Lifestyle. Claudia große Siemer hat sie getroffen und sich mit ihr über das Studium, berufliche Erfolge und den Umgang mit Herausforderungen unterhalten.

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Studiengang/ Jahrgang: EMBA Medienmanagement/ Jahrgang 2016

Aktueller Wohnort:
Hamburg

Arbeitgeber*in/ Jobtitel:
Bauer Media Group/ Stellvertretende Verlagsgeschäftsführerin der Bauer Women KG & Lifestyle KG

Meine Aufgaben:
Strategisches Portfolio-Management – mit der Hauptfrage: Wie schaffen es unsere Printmarken in die Zukunft?

Damit starte ich gut in den Arbeitsalltag:
Eine Runde an der Elbe joggen, mit dem Hund kuscheln und natürlich: Kaffee!

Eine Anekdote aus der HMS Zeit:
Beim Abschluss habe ich erst mein japanisches Tanz-Zertifikat erhalten, dann mein Abschlusszeugnis. Prioritäten muss man setzen!

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Ich muss etwas lachen, als mir Anna van Koetsveld vor dem Gespräch ihren Steckbrief zusendet und ich über den Satz mit dem japanischen Tanz-Zertifikat stolpere. Die Anekdote macht mich neugierig. Gleich zu Beginn des Interviews hake ich nach. Anna erzählt: „Das Zertifikat habe ich während der Medienreise in Tokio erhalten. Wir waren in einem Restaurant. Eine Band spielte. Wir fingen alle zu tanzen an. Nach einer Weile wurde ich auf die Bühne gebeten. Dort hat man mich zur angeblich besten Tänzerin gekürt und ich bekam prompt ein Zertifikat ausgestellt.“ Doch Anna vergisst das Zertifikat im Restaurant. Aber Prof. Armin Rott ist zur Stelle, rettet das wertvolle Dokument und überreicht es ihr bei ihrem Studienabschluss.

Eins steht fest: Anna hat definitiv sehr viel mehr auf dem Kasten als außergewöhnliche Tanzkünste. Die 32-jährige ist eine engagierte Macher-Persönlichkeit. Sie hadert nicht lange mit sich, sondern trifft Entscheidungen. Deshalb lautet Annas Motto: „Einfach mal machen“. Die gebürtige Münsteranerin entscheidet sich 2006 für ein vierjähriges Bachelorstudium in International Business and Management Studies an der Saxion Hogeschool in Enschede, wovon sie ein Semester in Südkorea verbringt: „Das war kulturell eine wahnsinnig spannende und schöne Zeit!“ Zwischendurch fragt sie sich, ob sie nicht doch lieber etwas ganz anderes machen möchte – fernab vom International Business Management. Aber sie macht auch hier einfach mal weiter.

Im Rahmen ihres letzten Studiensemesters schreibt Anna eine Abschlussarbeit bei der stern/GEO/art Verlagsgruppe von Gruner und Jahr. Ihr gefällt, dass sie an gesellschaftspolitischen Projekten mitwirkt. Noch während des Praktikums erhält sie ein Jobangebot. Ob sie nicht nach ihrem Studienabschluss beim Henri Nannen Preis als Projektassistentin einsteigen möchte? Anna sagt zu. Wenig später übernimmt sie die Projektleitung beim stern und lernt im Rahmen eines Seminars auch die HMS kennen. Sie kann dort am Unterricht von Prof. Jens Müller, Lehrperson für Marketing und Management, teilnehmen und denkt: „So stelle ich mir gute Professoren vor!“

2013 steht für Anna fest: Ein EMBA-Studium an der Hamburg Media School muss es sein. Mit einem Stipendium von Gruner und Jahr bestreitet sie das Studium berufsbegleitend. Sie merkt, dass ihr die Medieninhalte gut gefallen. Auch Medienrecht sieht sie als sehr nützlich an: „Wenn man zum Beispiel für die Gala arbeitet, wird man mit rechtlichen Fragestellungen durchaus öfters konfrontiert.“ Sie schafft ihr Studium mit Bravour, selbst unter dem Aspekt, dass sie während ihres Studiums die Abteilung wechselt. Hut ab vor so viel Leistung. Anna spricht selbst von einem Balanceakt zwischen Studium und Beruf. Sie musste sich ihre Zeit gut einteilen. Darin war sie aber nicht von vornherein perfekt, sondern hat eher mittendrin gelernt. Anna zeigt sich nicht als Management-Alleskönnerin. Sie ist ganz westfälisch auf dem Teppich geblieben.

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Nach ihrem EMBA-Abschluss erklimmt Anna weitere Stufen auf der Verlags-Karriereleiter. Sie arbeitet unter anderem als Publishing Managerin bei der Verlagsgruppe Women und ist beteiligt an der Veröffentlichung des Magazins Barbara. „Es war der absolute Wahnsinn“, erinnert sie sich. „Das Magazin ging richtig durch die Decke. Ein Zeichen dafür, dass unser Konzept aufging.“ Später baut Anna die Brigitte Academy auf, eine Plattform zur Weiterbildung, die Frauen ermutigt und unterstützt, ihren eigenen Weg zu gehen. Aus eigener Erfahrung weiß die Medienmanagerin, dass Frauen auf ihrem beruflichen Weg manchmal Unterstützung brauchen. Sie selbst musste sich oft genug vor Männern behaupten und für sich und ihre Projekte einstehen.

Anna erinnert sich an eine Szene aus ihrer Anfangszeit beim stern, der damals noch eine Männerdomäne war: „Als ich pünktlich zu einer Konferenz erschien, wurde ich von einem Zuspätkommenden aufgefordert, den Platz zu räumen. Mein damaliger Chef machte mir in dem Moment klar: Wer zu spät kommt, kommt zu spät. Du bleibst dort sitzen und schenkst auch niemandem Kaffee ein!“ Ein Schlüsselerlebnis für Anna. Sie lernt, sich besser durchzusetzen und Forderungen zu stellen. Dieses Wissen gibt sie bis heute gerne weiter. Als Führungsperson ist sie empathisch und bezieht jede*n mit ein. Ich frage sie in diesem Moment nach einem beruflichen Tipp für HMS-Studierende. Sie betont, wie wichtig es ist, ein gutes Netzwerk zu haben. Die HMS ist ein solches Netzwerk, aber auch im Unternehmen sollte man später darauf achten, sich ein gutes Umfeld für den Erfahrungsaustausch zu suchen.

Vor wenigen Monaten nimmt die Medienmanagerin eine neue Herausforderung an: Nach zehn Jahren bei Gruner und Jahr tritt sie im Mai dieses Jahres ihre Stelle als stellvertretende Verlagsgeschäftsführerin der Bauer Women KG an. „Bei der Entscheidung hatte ich ein gutes Bauchgefühl“, sagt sie. Trotz Corona-Krise ist sie gut in ihren Job gestartet. Aktuell arbeitet sie vor Ort in ihrem Büro, so hat sie es lieber. Am Verlagsmanagement schätzt sie allgemein, dass sie nah am Produkt ist. Sie schaut sich gerne Titelblätter und Geschichten an, bleibt aber lieber auf der Metaebene und sorgt für gute Abläufe im Unternehmen. Ihre Haltung ist dabei stets unverzagt und pragmatisch: „Ich laufe los und wenn es nicht funktioniert, dann schaue ich, wo ich nachjustieren muss.“ Ja, Anna macht auch Fehler. Aber sie verliert dabei nicht den Kopf, sondern macht weiter und schaut nach vorne. Mir gefällt diese Einstellung, denn ich glaube: Das Glück ist mit den Mutigen!

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Anna van Koetsveld für das ausführliche und spannende Gespräch. Viel Erfolg auf Deinem weiteren Weg!