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JOURNALISM INNOVATORS PROGRAM

„Gründer*innen brauchen Leidenschaft, dürfen sich aber nicht ausbeuten“

Ciani Sophia Hoeder 2020

Ciani-Sophia Hoeder ist Gründerin. Die Journalistin hat das RosaMag, ein politisches Lifestyle-Magazin für Schwarze FLINTA* aufgesetzt und damit eine Nische gefunden, die funktioniert. Mit viel Leidenschaft, aber auch einer großen Portion ehrlicher Reflexion hat sie sich am Markt positioniert. Die Frage nach einer stabilen Finanzierung ist wie bei vielen anderen Gründer*innen auch bei ihr immer wieder gegenwärtig.

Ciani-Sophia, du bist Gründerin des RosaMags. Worüber schreibt ihr?
Ciani-Sophia Hoeder: Das RosaMag ist ein Online-Lifestyle-Magazin für Schwarze FLINTA*. Wir schreiben über alles, was Schwarze FLINTA* bewegt, was sie umtreibt und ihren Alltag bestimmt. Es ist ein popkulturelles Magazin, das viele Themen anspricht. Politik, Pflege, Dating – ein Mix aus dem, was die Community beschäftigt. Neben unserer Webseite sind wir vor allem auf Social Media sehr stark mit unserer Zielgruppe verbunden. Dort finden wir die Themen, die gerade aktuell sind und greifen sie auf.

Wie hat sich euer Magazins thematisch entwickelt? Was war der Ursprungsgedanke und wo steht ihr jetzt?

Ciani-Sophia: Gestartet sind wir Anfang 2019 tatsächlich mit Lifestyle-Themen. Mit der Zeit sind wir immer politischer geworden. Wir haben gemerkt, dass alles politisch ist. Wie ich meine Haar trage, wird schon als eine politische Haltung wahrgenommen. Trage ich einen Fro á la Angela Davis oder habe ich eine Wig, eine Perücke und beuge mich einem eurozentrischen Schönheitsideal. Dabei ist letzteres ein „Protective Style“, Afrohaare müssen immer wieder in unterschiedliche Frisuren getragen werden, um sie zu schützen. Alles ist politisch. Das Leben ist sozusagen politisiert – und so hat sich auch das RosaMag entwickelt.

Welche Herausforderungen gab es?

Ciani-Sophia: Oh, wo soll ich anfangen?! Um sich Herausforderungen zu stellen, ist es erstens wichtig, ein Proof of Concept zu haben. Dies schafft die Grundlage für die Weiterentwicklung, denn so wägt man ab, was machbar ist und was nicht. Wir führen regelmäßig Gespräche mit unserer Community und Nicht-Leser*innen, um uns selbst zu evaluieren. Wir stellen uns immer aufs Neue die Frage: Wie erreichen wir Schwarze FLINTA*?

Zweitens ist die Finanzierung ein allgegenwärtiges Thema. Es gab und gibt für unser Magazin keinen Blutprint, keine Maske, die wir als Vorlage einfach nehmen können, um erfolgreich zu sein. Es macht die Finanzierung in der Hinsicht schwer, weil wir zu unserem normalen journalistischen Tagesgeschäft auch parallel strukturell Aufklärung betreiben müssen.

Drittens ist es redaktionell nicht einfach, die sehr vielfältige Kultur der Schwarzen FLINTA* abzubilden, weil die Gruppe so heterogen ist. Schwarze FLINTA* haben in Deutschland keine gemeinsame Historie – anders als in den USA. Die Herkunft ist sehr divers, einzig die Erfahrungen von Ausgrenzung haben alle gemein. Eine Herausforderung ist es daher, wie man auf dieser Basis eine Community aufbaut. Das gelingt uns, indem wir immer wieder das Gespräch suchen.

Was empfiehlst du Gründer:innen, die ein Magazin oder anderes journalistisches Produkt aufsetzen wollen?

Ciani-Sophia: Ich bin mit viel Leidenschaft gestartet, weil mich die Themen des RosaMags selbst interessieren. Das ist eine gute Voraussetzung für eine Gründung. Allerdings gibt es immer Momente, in denen nicht alles so rosig ist – und die müssen Entrepreneur*innen auch als solche wahrnehmen. Sie dürfen nicht den Fehler machen, so verliebt in ihr Produkt zu sein, dass sie die Probleme nicht sehen. Es gibt viele Kriterien, die anzeigen, ob etwas funktioniert und das müssen Gründer*innen evaluieren. Dabei geht es um die Fragen: Brauchen wir das und wann ist es geglückt? Gründer*innen brauchen Leidenschaft, die macht es leicht, durchzuhalten, aber sie dürfen sich nicht selbst ausbeuten.

Welche Schwerpunkte möchtest du in deiner Arbeit als Beirätin im JIP setzen?

Ciani-Sophia: Ich schaue selbstverständlich, ob die Idee des Projekts schlüssig, wichtig, also relevant, und finanzierbar ist. Aber es geht mir immer um die Personen dahinter. Die Biografien sind mir wichtig. Wer hat sich da beworben, welchen Background hat die Person, wie sind die Lebensumstände und die Voraussetzungen? Mit dieser intersektionellen Brille schaue ich auf die Bewerbungen.