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JOURNALISM INNOVATORS PROGRAM

Newsletter zur Zukunft: „Wer informiert ist, erlangt im Leben die Kontrolle zurück“

202010 JIP2 Jasper Steinlein

Jasper Steinlein ist seit über zehn Jahren Journalist, kennt sich aus in der Nachrichten- und Medienwelt – und in den Newsrooms. Darum weiß er, dass sich Berichterstattung im deutschsprachigen Raum vor allem auf das Geschehene bezieht. „Wir Journalist*innen erläutern, was gewesen ist, wer was sagt.“ Nachrichten würden daher oftmals den Eindruck vermitteln, „dass dauernd etwas passiert, auf das wir keinen Einfluss haben“, sagt Jasper und hat als JIP-Fellow einen neuen Newsletter auf LinkedIn und einen Telegram-Channel gegründet. Mit „künftig“ möchte er das relevante Wissen aus dem Breaking-News-Lärm herausfiltern. Er möchte aufzeigen, welche Entwicklungen und Folgen sich aus den Nachrichten bereits ableiten lassen. „Künftig“ soll allen, die mitlesen, zeigen, welchen Anteil an einer Entwicklung sie selbst in der Hand haben. „Die Zukunft ist das, was wir aus der Gegenwart machen“, sagt er.



Du hast den Newsletter "künftig" gestartet. Worum geht es dabei?


Jasper Steinlein: Anders als die meisten JIP-Fellows hatte ich noch kein konkretes Projekt, aber eine Idee. Ich wollte etwas mit Zukunftsnachrichten machen. Und daraus sind zwei Formate entstanden. Der Newsletter „künftig“ bei LinkedIn und der gleichnamige Telegram-Channel. Das Wort „künftig“ zeigt an, wenn sich etwas ändert, dass dies klare Auswirkungen auf unsere Lebensrealität hat. Mit „künftig“ möchte ich erklären, was sich jetzt über die Zukunft zu wissen lohnt: Welche Entwicklungen haben bereits begonnen und welche Folgen lassen sich daraus ableiten? „Künftig“ soll Menschen helfen, aus dem Breaking-News-Lärm das relevante Wissen herauszufiltern.

Wie bist du auf dieses Thema gekommen - gab es einen speziellen Anlass?


Jasper: Als Nachrichtenjournalist mit zehn Jahren Erfahrung in Newsrooms weiß ich, dass die Menge an News nie sinkt. Vor allem im deutschsprachigen Raum handelt Berichterstattung meistens davon, was gerade eben passiert ist. Wir Journalist*innen erläutern, was gewesen ist, wer was sagt - und dann heißt es: Weitere Informationen nach der nächsten Eilmeldung. Diese Art der Berichterstattung nützt den meisten wenig, da sie den Bezug der Nachricht zum großen Ganzen und auch zur eigenen Lebensrealität nicht herstellen können. Nachrichten vermitteln oftmals den Eindruck, dass dauernd etwas passiert, auf das wir keinen Einfluss haben. Es entsteht ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Auch die Mediennutzungsforschung zeigt, dass immer mehr Menschen durch diese Überreizung überlastet sind oder es sogar vermeiden, sich zu informieren. Dabei geschehen die wenigsten Ereignisse einfach so. Fast immer gibt es Entwicklungen, die in eine bestimmte Richtung deuten – und oft haben wir bereits nützliches Wissen darüber, wie Ereignisse mitgesteuert oder verhindert werden können. Genau das möchte ich mit „künftig“ thematisieren.

Was gab es bei der Umsetzung zu bedenken?

Jasper: Ich bin kein Futurist, der Prognosen oder gar Prophezeiungen verbreiten will – das ist mit Journalismus nicht vereinbar. Es ist mir vielmehr wichtig, in meinem Newsletter immer wieder aufzuzeigen, wo die Stellschrauben für die Zukunft sind – gemäß dem Motto „Nach heutigem Wissensstand lässt sich vorausberechnen, dass... aber das alles muss nicht so kommen!“. „Künftig“ soll allen, die mitlesen, auch möglichst konkret zeigen, welchen Anteil an einer Entwicklung sie selbst in der Hand haben. Die Zukunft ist das, was wir aus der Gegenwart machen - das gilt für Klimaschutz, Gesundheit, Wirtschafts- und Sozialpolitik genauso wie für den Umgang mit Information.

Wie ist die erste Resonanz und was hast du dir für "künftig" für Ziele gesteckt?


Jasper: „Künftig“ ist auf LinkedIn und Telegram gestartet – zwei Plattformen mit sehr unterschiedlichen Nutzer*innen. Mein Wunsch ist es, „künftig“ so relevant zu machen, dass Entscheider*innen und „Nachrichtenjunkies“ genauso gern und mit Gewinn mitlesen wie Menschen, die gar nicht mehr bewusst und gezielt Nachrichten ansteuern oder großes Misstrauen gegenüber etablierten Nachrichtenmarken aufgebaut haben. Die schönste Rückmeldung, die ich bislang bekam, war von einer Bekannten in der Lebensmitte aus dem Raum Postost, also mit früher sogenanntem postsowjetischem Hintergrund: Sie schrieb mir – in einer klaren Anspielung auf Russlands Überfall auf die Ukraine: „Dieses Jahr hat sich mein Umfeld verändert, Freund*innen und Verwandte haben sich von mir distanziert. Als ich heute auch deine Meinung zum Thema gelesen habe, habe ich noch einmal die Bestätigung bekommen: Ich bin kein Zombie. Danke!“ Wer gut informiert ist, erlangt im Leben die Kontrolle zurück – und damit etwas mehr Gelassenheit, den eigenen Weg in die Zukunft einzuschlagen und gut darin anzukommen. Genau dazu soll „künftig“ nützlich sein! Zum Abschluss gebe ich deshalb immer den Gruß mit: „Informiert statt aufgeregt bleiben!"

Wie hilft dir das JIP bei „künftig“?


Jasper: Das JIP vermittelt wichtige Grundlagen als Rüstzeug, ein Medien-Format und ein Startup-Business zu entwickeln: Wir lernen Denkmodelle für Innovationen, Methoden zur Nutzer*innenforschung, Best-Practices oder auch, was nutzungsbasiertes Design und was überzeugende Pitches ausmachen. Coaches geben uns Schützenhilfe, wie wir das Know-how auf unser Projekt anwenden können, und pushen uns, uns als Gründer*innen und Persönlichkeiten weiterzuentwickeln und Chancen zu ergreifen. Neben dem Wissen bin ich auch sehr glücklich über das Miteinander der Fellows untereinander und mit den HMS-Koordinator*innen. Wir geben einander Feedback, vermitteln Unterstützung und hypen uns gegenseitig. Diese Art des Arbeitens erlebe ich als echtes Empowerment – und sie macht Lust auf die Zukunft.