HMS - BLOG

BUNTE KISTE

#deutschland 3 x anders – WIE EXIL-JOURNALIST_INNEN DEUTSCHLAND ERLEBEN

von CHRISTINE KREUZKAM am 15.10.2019

In drei Kurzdokumentationen präsentieren junge Medienschaffende aus Syrien, Afghanistan und dem Irak in einer Zusammenarbeit zwischen der HMS und dem Ereignis- und Dokumentationskanal PHOENIX ihren besonderen, anderen Blick auf Deutschland.
Den Anfang macht "Die Wege des Stahls. Deutsche Waffen im Orient". Ein Film von Ahmad Klij.
Teaser deutschland 3 x anders 1

Ahmad Klij bickt auf den Hamburger Hafen - von hier gehen täglich Waffenlieferungen in alle Welt. Auch in seine Heimat.

Ahmad Klij hat 2019 am DMF-Programm der Hamburg Media School teilgenommen.
Er lebt seit über vier Jahren in Hamburg. Nach dem Einmarsch der türkischen Armee in Afrin rief Ahmad Klij Anfang 2018 das Afrin Media Center mit anderen Journalist*innen ins Leben, das seitdem tausende Menschen mit tagesaktuellen Nachrichten zur Entwicklungen der Situation in Afrin und Umgebung versorgt.
In seiner Dokumentation beschreibt er, wie der Krieg in Afrin einen Wendepunkt in seinem Leben markiert. Und wie insbesondere das Erblicken von Panzern aus deutscher Produktion in den Olivenfeldern seiner Kindheit Fragen in ihm aufwirft. Fragen, die er auch seinen Gesprächspartnern stellt und die, wie er feststellt, auch viele Deutsche umtreiben. So trifft er im Exil auch Menschen, die sich gegen den Export von Waffen aus Deutschland engagieren.
Den ersten Film aus der Reihe #deutschland 3x anders" könnt ihr hier anschauen:
PHOENIX schreibt zu der Dokumentation:
"Film von Ahmad Klij - phoenix/Hamburg Media School 2019

Auslöser für Filmautor Ahmad Klij sein Webvideo „Die Wege des Stahls. Deutsche Waffen im Orient“ zu drehen, war ein Schlüsselmoment nach seiner Flucht aus dem Kriegsgebiet Syriens. Im Exil in Hamburg musste der Journalist Klij im Fernsehen mit ansehen, wie die türkische Armee im Januar 2018 seine Heimatstadt Afrin im Norden Syriens mithilfe von Waffen aus deutscher Produktion angriff und besetzte. Diese Bilder deutscher Panzer in den Olivenfeldern seiner Kindheit gaben Anstoß für seine dokumentarische Spurensuche nach den teils verschlungenen Wegen deutscher Waffen in den Nahen Osten, die in Zusammenarbeit der Hamburg Media School mit phoenix entstand.

Im Exil trifft der Journalist aus Syrien auf Aktivist*innen und Politiker*innen, die sich gegen Waffenexporte einsetzen. Dabei zeigt sein Webvideo wie weit die Tradition deutscher Waffenexporte in den Orient schon zurückreicht. Auch nach dem Mauerfall, so erfährt Klij, haben deutsche Waffen den Hamburger Hafen verlassen,- damals waren es noch Waffen aus Beständen der NVA, die Richtung Türkei exportiert wurden. Seit 2018 hält die Türkei die Stadt Afrin gemeinsam mit syrischen Oppositionsgruppen besetzt. Mehr als 2.500 Menschen ließen ihr Leben und 300.000 Kurd*innen sind aus der Stadt vertrieben worden. Jetzt baut die Türkei eine Mauer an der Grenze zu Afrin. Menschen, die aus Afrin vertrieben worden sind und nun in den Lagern der Umgebung leben, sprechen in dem Webvideo darüber, welche Gefühle es bei ihnen auslöst, den Mauerbau um Afrin erleben zu müssen. „Der deutsche Schriftsteller Herman Hesse hat einmal geschrieben, dass man in den Orient fahren muss, wenn man nach Geist und Gefühl sucht. Aber was suchen die deutschen Waffen heute im Orient?“, fragt sich Ahmad Klij während er den Hamburger Hafen beobachtet – einer der größten Umschlagsorte für Waffenexporte aus Deutschland.

30 Jahre Mauerfall und Wiedervereinigung sowie der 70. Jahrestag der DDR-Gründung sind Anlass für den Film, als eines von drei Projekten der Webvideo-Reihe „#deutschland 3x anders. Wie Exil-Journalist*innen Deutschland erleben“. In den in Zusammenarbeit der Hamburg Media School mit phoenix entstandenen Webvideo-Reportagen gehen junge, geflüchtete Medienschaffende aus Syrien auf Spurensuche nach Überbleibseln gesellschaftlicher „Grenzmauern“ innerhalb des heutigen, wiedervereinten Deutschlands. Dabei präsentieren sie einen anderen, besonderen und oftmals überraschenden Blick auf Deutschland. So beleuchtet „#deutschland 3x anders“ auch kaum beachtete Berührungspunkte zwischen den Schicksalen von Flüchtlingen aus dem syrischen Kriegsgebiet mit den Grenz- und Fluchterfahrungen in unserer deutsch-deutschen Geschichte."